Turkmenistan
Turkmenistan Video
25. Juli 2015
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Für Turkmenistan gibt es nur ein Transitvisum. Für uns bedeutete das kräftig die Pedalen zu treten: ca.550 km in 5 Tagen! Ein Großteil der Strecke führt durch die Wüste. Ein schattiges Plätzchen zu finden war nicht immer einfach und so ist uns die Hitze wohl manchmal ein wenig zu Kopf gestiegen…

Viel Spaß!

Iran
Iran Video
22. Juli 2015
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Nach unzähligen erfolglosen Versuchen dieses Video hochzuladen haben wir es schließlich mit sehr viel Geduld in der Lobby des luxuriösen Radisson Blu Hotels in Kashgar geschafft. Dabei haben wir den teuersten Kaffee unserer Reise getrunken und uns fest vorgenommen, niemals wieder ein so langes Video zu produzieren solange das Internet nicht mindestens 100 mal schneller geworden ist.

Also macht es euch gemütlich und dann viel Spass bei der virtuellen Reise quer durch Iran.

Turkmenistan
Turkmenistan – große Überraschung!
17. Mai 2015
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Mit Turkmenistan haben wir uns im Rahmen unsere Reisevorbereitung wenig beschäftigt. Uns war klar, wir werden nur ein Transitvisa für fünf Tage erhalten. Fünf Tage, 500Km, Schnur gerade Straße, außer Sand nichts zu sehen und alle Menschen gucken ernst, ganz besonders die mürrischen Grenzbeamten. So unsere Vorstellung. Aber wir werden eines Besseren belehrt.

Am 5. Mai verabschieden wir uns bei unserer Gastfamilie in Karadsch. Wir bekommen sogar noch ein kleines Abschiedsgeschenk und Proviant mit auf den Weg. Wir schwingen uns auf die Räder und schon nach wenigen Metern Fahrt winken uns die Menschen wieder fröhlich zu und rufen uns ihr „welcome“ oder „thank you“ zu. Bis zum Busbahnhof sind es zwar nur 8Km, aber trotzdem: Wir sind unglaublich fröhlich. Die Reise geht nach so langer Pause endlich weiter und wir sitzen wieder auf den Rädern.
Das erstemal heißt es für uns die Räder im Laderaum eines Busses zu verstauen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten passt alles und wir sitzen im Bus. Am nächsten Morgen erreichen wir Mashhad. Die Räder haben die Fahrt gut überstanden. Auf direktem Wege geht’s zur Turkmenischen Botschaft wo wir unser letztes fehlendes Visum abholen wollen. Die Wartezeit geht schnell um, da wir mit Daniel aus Belgien ins Gespräch kommen. Er spricht uns vor der Botschaft an:“ Ah, ihr seid die Deutschen mit den Bambusrädern. Hab von euch gehört“. Ja, irgendwie scheinen alle Radreisenden über irgendwelche Ecken miteinander connected. 15 Minuten später bekommen wir unsere Pässe inklusive Visum zurück durch die winzige Lucke geschoben. Juhu!

10.Mai
Unsere Wecker klingelt um kurz nach sechs. Wir wollen früh an der Grenze sein um soviel Zeit wie nur irgend möglich in Turkmenistan zu haben. Nachdem wir drei (haben gestern Maxim aus Frankreich kennen gelernt und beschlossen die vor uns liegende Etappe gemeinsam zu meistern) in einem kleinen Supermarkt direkt gegenüber der Grenze unsere letzten Iranischen Rial in Turkmenische Manat getauscht haben lassen wir die Grenzprozedur über uns ergehen.

Auf der Iranischen Seite warten wir eine halbe Stunde darauf, dass der Grenzbeamte unsere Reisepässe kontrolliert hat. Wir trösten uns damit, dass der arme Kerl zum prüfen der Pässe wohl möglich Internet benötigt und das ist hier eben unfassbar langsam. Nächster Schritt ist die Gepäckkontrolle. Stichprobenartig muss jeder von uns zwei Taschen abbauen und zum durchsuchen auspacken. Wir freuen uns das wir nicht alles ausräumen müssen, trotzdem dauert es, bis alle Taschen wieder auf den Rädern verstaut sind. Vor der abenteuerlichen, einspurigen Grenzbrücke dürfen wir dann zum vierten mal unsere Reisepässe vorzeigen. Die Soldaten and der Grenzbruecke sind sehr freundlich und rufen einen Kameraden der Englisch spricht. Der schien gerad geschlafen zu haben denn er ist sichtlich durch den Wind. Er begruesst uns im Namen aller anwesenden Kameraden, Khomeini, Khameini und des gesamten iranischen Volkes und heisst uns im Iran willkommen. Wir gucken irritiert da wir 10 Meter vor der Grenze stehen. Er faengt sich aber schnell und hebt zu einer richtigen Rede an. In dieser wird mal wieder betont das wir hier in einem sicheren Land seien aber Turkemenistan natuerlich unsicher sei und wir mit unangenehmen Begegnungen zu rechnen haetten. Jaja, das kennen wir. Das Fremde ist suspekt. Wir denken die sollten alle mal ein bisschen mehr reisen. Vorweg bemerkt: Wie immer hatten wir keine Probleme und sind ausschliesslich auf sehr freundliche und ehrliche Menschen gestossen. Polizei und Militaer eingeschlossen.

Auf der turkenischen Seite werden die Pässe ein weiteres mal geprüft. Nachdem wir 12$ Steuer pro Person zahlen mußten ist der Grenzbeamte interessiert daran ein paar Worte deutsch zu lernen. Ebenso erkundigt er sich danach ob wir verheiratet seien. Die nächste Frage ist dann wie schon so oft die Frage mach Kindern. Seine Reaktion auf unsere Antwort:„ Keine Kinder? In Turkmenistan sind wir drei Jahre verheiratet und haben drei Kinder!“. Die Gepäckkontrolle ist das mühsamste. Wobei es den armen Maxim am schlimmsten trifft. Seine Taschen werden nämlich als erstes durchsucht. Vier Beamten räumen gleichzeitig sein gesamtes Gepäck aus und lassen ein riesen Chaos zurück. Da Tim und ich zu zweit sind können wir ein großes Durcheinander vermeiden. Ich räum die Taschen aus, Tim packt parallel wieder ein. Besonders gründlich wird unser kleines Fotoalbum „geprüft“, dann merken wir dass das Interesse der Beamten nachlässt und immer weniger sorgfältig geschaut wird. Tim muss am Ende nur noch eine Tasche aufmachen und wird dann durch gewunken. Die Räder werden erneut bepackt, die Pässe noch weitere drei male vorgezeigt und dann haben wir es tatsächlich geschaft. Wir sind in Turkmenistan!

Wenige Meter hinter der Grenze setzen wir uns in den schmalen Schatten einer Mauer und holen unser Frühstück nach. Gestärkt starten wir am spätem Vormittag unsere erste Etappe. Es geht Kilometer für Kilometer gerade aus durch die Steppe. Aber anders als erwartet ist es recht grün. Unterwegs begegnen wir frei laufenden Kamelen. Soweit sind wir also schon gekommen. Die Kamele laufen gemächlich entlang der Bahnschienen und lassen sich auch vom herannahendem Zug nicht aus der Ruhe bringen. Wir passieren entlegene Dörfer und freuen uns in einem dieser Dörfer sogar eine kalte Cola kaufen zu können. Die Frauen im „Supermarkt“ tragen so wie alle Turkmenen farbenfrohe Kleider. Es ist schön sie ausgelassen lachen zu sehen, wobei uns ein paar Goldzähne entgegen blitzen und sich ungezwungen ihn gegenüber verhalten zu können. Hier wird uns ein starker Kontrast zu Iran sehr deutlich. Während wir darauf warten das unsere Cola im Gefrierschrank noch kälter wird, werden wir von den Frauen mit Tee und Gebäck versorgt.

Bereits diese Begegnung am ersten Tag zeigt uns das unsere Entscheidung nicht hitchhikend in die Märchen /- Geisterstadt Ashgabat zufahren sondern mit dem Fahrrad abseits vom Prunk das wirkliche Leben kennen zu lernen die Richtige ist.

Auch wenn das Land bewachsener ist als erwartet, es gibt auch lange Abschnitte wo es weit und breit nur Sand und ein paar Büsche zu sehen gibt. Manchmal ist es richtig schwer der Mittagshitze zu entfliehen und ein schattiges Plätzchen zufinden. Wenn man so in der prallen Sonne in die Pedale tritt und einem das Termometer 47,5°C anzeigt hört bei mir der Spaß langsam auf. Bis 43°C macht mein Körper noch gut mit, bei steigender Temperatur fängt er aber an sich in regelmäßigen Abständen zu beschweren. So hab ich jedenfalls das Kältegefühl interpretiert, das mich immer wieder überkommt.

Überall wo wir hier Menschen treffen wird uns fröhlich zugehupt und zugewunken. Oft kommen wir an Feldern vorbei auf denen ein paar Leute in anstrengender Handarbeit mit einer Schaufel den Boden bearbeiten. Unglaublich, wieviel Arbeit da manche leisten, damit andere was zum Essen haben. Die Arbeit hält sie aber nicht davon ab wenn wir vorbeikommen kurz inne zu halten und uns fröhlich zuzuwinken. Ebenso erleben wir es auch bei mehreren Baustellen die wir passieren: Motivierende Zurufe, Winken und sogar der Baggerfahrer hubt für uns.

Unsere Sonnencreme ist innerhalb weniger Tage aufgebraucht. Jetzt heißt es entweder Sonnenbrand riskieren oder wieder in die langärmeligen und langbeinigen Klamotten zusteigen. Die Hitze führt dazu das der Hunger immer weniger wird. Dafür trinken wir bestimmt mehr als sechs Liter pro Tag. Unsere Pausen werden wenn möglich so getacktet, das wir ein kalte Cola trinken können. Das ist einfach das Beste wenn man ansonsten die ganze Zeit nur heißes Wasser trinken kann. Wenn Tim vor einem Kühlschrank steht und statt zum Bier zur Cola greift, dann heißt das schon einiges. Manchmal ist aber auch weit und breit kein Shop in Sicht, was dann schonmal durchaus auf die Stimmung schlägt.

Meistens führt die Hitze aber nicht zur Beeinträchtigung der Laune. So stellt Tim bei unserer Mittagspause fest, dass ich eine kleine Salzkartoffel sei. innen Stärke und außen Schmutz und Salz. Ich nehme es als Kompliment und zumindest zur Außenschicht ist es tatsächlich eine passende Beschreibung. Auf der Schicht von Sonnencreme und Schweiß bleibt der ganze Staub sehr hartnäckig kleben. Als ich wieder auf dem Fahrrad sitze denke ich aber eher an Ofenkartoffel. ? Immerhin ein zusaetzlicher Sonnenschutz.

11. Mai
Auch die Turkmenen haben Humor. Es kommt ein Bauer zu uns, auf dessen Land wir gerade unter ein paar Bäumen Schatten gefunden haben. Als erstes bietet er uns an unsere Wasserflaschen aufzufüllen, dann betrachtet er mit großem Interesse unsere Räder. Ganz am Ende kommt es zu einem kleinen Smalltalk mit Händen und Füßen. Der Bauer fragt Maxim ob ich zu ihm gehöre. Als klar ist das ich Tims Frau bin wendet er sich an Tim. Er möchte das ich dort bleibe und bietet neben einer unbestimmten Summe an Geld auch noch eine Kuh. Maxim schlägt 50 Liter kaltes Bier vor. Tim meint 10 Kilo Eis dazu wären auch nicht verkehrt. Pah, sollen die beiden mal zusehen. Mit den 50 Litern Bier kommen die keinen Meter weit und das Eis ist sobald es die Gefriertruhe verlässt geschmolzen.

Heute erreichen wir Mary. Dort angekommen suchen wir ein Hotel. Merdan kommt uns zur Hilfe. Er hat drei Jahre in London studiert und spricht daher super englisch. Merdan hilft uns bei der Hotelsuche und handelt für uns sogar noch einen beträchtlichen Rabatt aus. Abends lädt er uns zum Essen in ein Restaurant ein. Hmmmh. Super leckere Turkmenische Küche. Während des Essens haben wir viel zeit uns auszutauschen. Vielen Dank Merdan und viel Erfolg für deinen Froschmarket!

12. Mai
Der Schlaf in dem kühlen, dunklem Hotelzimmer war so tief wie schon lange nicht mehr. Morgens bekommen wir ein leckeres Frühstück serviert. Welch ein Luxus. Wir kommen erst spät los, was bedeutet das bereits 33°C im Schatten sind als wir auf den Rädern sitzen. Gerade als wir die Stadt verlassen sehen wir einen alten Lada am Straßenrand stehen, dessen Fahrer aussteigt und uns zum Halten auffordert. Als wir bei ihm zum Stehen kommen begrüßt er uns freundlich und drückt jedem von uns eine kalte Dose Pepsi in die Hand. Wow! Damit hätten wir gerade gar nicht gerechnet. Super erfrischend und super lieb. Unsere heutiger Pausenplatz unter einem kleinem Busch ist nicht perfekt, aber das einzige schattige Plätzchen weit und breit. Als wir gerade dabei sind unsere Sachen zusammen zu packen sehen wir in der Ferne eine Herde Tiere die sich auf uns zubewegt. Wenig später ziehen Kühe und große Kamele an uns vorbei. Geführt wird die Herde von zwei Reitern auf Eseln und einem Reiter auf einem riesigen Pferd. So ein großes Pferd hab ich noch nie gesehen. Eine sehr faszinierende Szene. So stellt man sich die Seidenstraße vor.

14. Mai
Heute werden die letzten Kilometer bis zur Usbekischen Grenze gefahren. Bei unserer ersten Pause, natürlich gibt es wieder eine kalte Cola (Benzin für Radreisende) bekommen wir von der Verkäuferin noch ein Eis geschenkt. Dann gehts weiter. Nach 75km erreichen wir die Grenze. Auch hier sind die Grenzbeamten wieder nett und hilfsbereit. Die Grenzkontrolle verläuft schnell und Komplikationslos. Wir werden gefragt ob wir illegale Dinge aus Turkmenistan ausführen, zum Beispiel einen Teppich. Ich erzähle dem Soldaten ein bisschen über unsere Reise und was in unseren ganzen Taschen drin ist. Für einen Teppich ist da mit Sicherheit kein Platz versichere ich ihm. Am Ende muß nur Tim eine seiner Taschen öffnen. Die Beamten entschuldigen sich geradezu dafür. Wie bei allen Grenzen zeigen wir auch hier etliche Male unsere Reisepässe bei verschiedenen Personen vor, bis wir endlich ausgereist sind und vor der Usbekischen Grenze stehen.

Turkmenistans Menschen haben uns sehr begeistert. Sie halten eine angenehme Distanz, sind etwas zurückhaltend, dabei aber super lieb, fröhlich und hilfsbereit. Die Sonne brennt heiß, durch den Fahrtwind ist die Temperatur aber meistens (nicht immer) auszuhalten. Radreisende schreiben meistens von starken Gegenwind, es kann aber auch mal anders sei . Wir hatten meistens leichten Rückenwind.
Turkmenistan war eine tolle, heiße, große Überraschung.

Iran
Iran – Welcome to our country
16. Mai 2015
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Am 27. März passieren wir die iranische Grenze. Auf der armenischen Seite der Grenze muessen wir erstmalig unser gesamtes Gepäck zum Durchleuchten abladen. Anschliessend haben wir Mühe, den „Ausgang“ zu finden – irgendwie sind alle Tore verschlossen und man schickt uns ewig hin und her. Auf der iranischen Seite besteht die Gepäckkontrolle darin, dass ein Grenzbeamter mit einem Finger auf eine von Tims Taschen tippt und mit prüfendem Blick fragt was drin sei. Tim antwortet spontan mit irgendeinem Teil was ihm gerade einfaellt. Dann ist das Gepäck anscheinend ausreichend geprüft. Mein Fahrrad und Gepäck wird gar nicht erst beachtet.

In Iran wird ein anderer Kalender benutzt, so kommen wir genau in den Neujahrsferien an und erleben die Iraner in bester Laune. Überall sitzen Familien zusammen beim Picknick und scheinen ebenso wie wir das tolle Wetter zu genießen. Iran stellt sich als die krasseste Grenze bisher heraus. Alles komplett anders: Religion, Schrift, Temperatur, Vegetation, Autos, die Art wie Menschen auf uns zugehen, ein unmoeglicher Wechselkurs (1:35000) usw. Sehr sehr spannend.

Uns wird fröhlich zugewunken und so bald wir stehen bleiben, werden wir angesprochen:„Welcome to my Country“ oder „Thank you for visiting Iran!“ oder „We love you!“. Etwas muehe bereitet uns das staendige „we are arieans as well!“. Uns wird ständig Hilfe angeboten und oft werden wir nach unserer Bewertung von Iran befragt. Eine unglaubliche Offenheit und Herzlichkeit, die wir seid dem erstem Tag in Iran bewundern.

Schon in kurzer Zeir erleben wir so viel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, das es schwer fällt, eine Auswahl der Begegnungen zu treffen.

In Jolfa lernen wir eine Familie kennen, bei der wir später für knapp einen Monat beherbergt werden. Azita kommt einfach auf mich zu und bietet mir ihre Hilfe an, für den Fall dass es irgendein Problem geben sollte. So kommen wir ins Gespräch. Wenig später sitzen wir zusammen mit der Familie in einem Auto. Wir haben ihr Angebot, mit ihnen in die Stadt zu fahren und gemeinsam über den Bazar zu schlendern, dankend angenommen. Bevor es Abends wieder zurück zum Hotel geht, werden wir von ihnen noch zum Essen eingeladen. Als wir uns am nächsten Tag verabschieden, bekommen wir die Adresse der Familie. Sie wohnen in der Nähe von Tehran in Karadsch und laden uns ein, sie besuchen zu kommen und unsere Räder in der Zeit zu verwahren in der wir für die Visabeschaffung nachTehran pendeln muessen.

In Marand kommt ein Radfahrer auf uns zu gerollt, macht vor uns eine Vollbremsung und sagt wir sollen sofort mitkommen. Im ersten Moment sind wir doch etwas irritiert. Dann klärt sich schnell alles auf. Akbar ist Mitglied bei Warmshower, hat inzwischen aber sein eigenes Netzwerk in Iran aufgebaut. Akbar hat gute Kontakte zu vielen Lkw-fahrern. Wenn diese auf der Straße nach Marand Reisende sehen, geben sie ihm per Handy sofort bescheid. Akbar fährt dann mit seinem Rad los und fängt die Leute auf der Straße ab. Seinem Radar entkommt niemand. So werden auch wir seine Gäste und werden großzügig zum Essen und zu einer Übernachtung in einem kleinen Guesthouse eingeladen. Am nächsten Morgen werden wir mit einem leckerem Frühstück verabschiedet, bekommen zwei Brote für die Mittagspause mit und erhalten Kontaktdaten von verschiedenen Freunden, die in den Städten wohnen, die wir auf unsere Tour durch Iran passieren. Alle könnten wir zu gegebener Zeit kontaktieren, sie würden uns dann helfen. Großartig! Es scheint hier alles wie von selbst zu laufen.

Über das „Akbarnetzwerk“ bekommen wir Kontakt zu Hamed, der uns in Täbriz willkommen heißt. In Täbriz gibt es einen großartigen kostenlosen Campingplatz. Schöne grüne Wiese, Küche und warme Dusche inklusive. Ein perfekter Ort um einen Ruhetag einzulegen. Diesen genehmigen wir uns am zweiten April, der ein offizieller Feiertag in Iran ist – „Day of Nature“. So gut wie jeder Iraner versucht diesen Tag gemeinsam mit Familie, Freunden und/oder Bekannten irgendwo im Freien zu verbringen. So füllt sich auch „unser“ Campingplatz im Laufe des Tages immer mehr. Tim und ich beobachten das bunte Treiben. Es werden Zelte aufgestellt, Decken ausgebreitet, gepicknickt, Volleyball, Abbacken und Fußball gespielt. Immer wieder kommt der ein oder andere zu uns um uns irgendeine Kleinigkeit von ihrem Picknick abzugeben. Wenn sich erstmal einer traut zu kommen, bildet sich schnell eine große Traube um uns. Ein toller Tag, an dem viel ausgelassen gelacht wird und wir jeden Moment genießen. Am selben Tag lernen wir Terrie kennen. Terrie ist ein lebensfroher franzoesischer Rentner, der sich überlegt hat, die Welt zu Fuß zu entdecken. Statt in Paris langsam alt und gebrechlich zu werden wie er sagt, will er den 2. Teil seines Leben mit dem Entdecken der Welt verbringen. Dies, so sind sich alle Reisenden die wir treffen einig, geht halt nicht indem man all-inclusive von Hotel zu Hotel jettet. Nicht viel wird man so kennenlernen. Dies geht am Besten wenn man bewusst wenig Geld einsetzt und sich bedingungslos Natur und Menschen ausliefert. Wir verstehen mittlerweile nur zu gut wie er es meint. Ihr wollt die Welt entdecken? <werbetrommel> Hoert auf zu planen und legt los! Terrie hat einen Rucksack mit einem kleinen Zelt, ein paar Klamotten und eine Visakarte mit ein bisschen Geld. Mehr braucht es wirklich nicht. Menschen sind zu 99% unfassbar hilfbereit. No Problem! </werbetrommel>

Er ist vor zwei Jahren in Frankreich aufgebrochen und hat viele spannende und lustige Geschichten zu erzählen. Besonders gut gefällt uns eins seiner Erlebnisse, die er in Estland gemacht hat. In einem Dorf angekommen wird er gewarnt zu Fuss weiter zu maschieren, schliesslich ist Winter, es liegt Schnee und lange Zeit gibt es kein Dorf zum Essen kaufen. Terrie lehnt dankend ab und maschiert trotzdem los. Nach 20 KM findet er neben der Strasse einen kleinen vom Schnee befreiteten Platz nebst ein paar Scheiten Holz. Er freut sich und nutzt ihn zum Campen und Feuer machen. An den folgenden Tag erlebt er genau das gleiche wieder. Nach einigen Tagen haelt ein Gelaendewagen und zwei Esten steigen aus und freuen sich, das Terrie noch lebt und fragen ihn, ob er jeweils die Plaetze, die sie fuer ihn gebaut haben, gefunden habe. Terrie, der schon angefangen zu glauben es gehe nicht mit rechten Dingen zu, bedankt sich uebergluecklich bei seinen ‚Engeln‘ und zieht weiter. Es sind immer wieder diese Art von Geschichten, die Reisende zu erzaehlen haben.

Die Straße, die aus Täbriz hinaus führt, ist viel befahren und nicht besonders aufregend. Wir denken an Terrie, der wahrscheinlich einen ganzen Tag benötigt um dem Gewusel der Stadt zu entfliehen. Wir freuen uns das wir dieses mit unseren Rädern deutlich schneller hinter uns lassen können.
Die Sorge, am Abend keinen geeigneten Platz für die Nacht zu finden, war bei uns zwar nie wirklich ausgeprägt ist aber in Iran in noch viel weitere Ferne gerückt. Sicher fühlen wir uns überall. Einmal werden wir Nachts von einem besorgten Schaefer geweckt der zwar kein Englisch, dafuer aber treffend Wolfsgeheul imitieren kann. Tim versucht ihm zu vermitteln das Woelfe ’no problem‘ sind – aber der Schaefer ist nicht zu beruhigen. Wir sollen mit in sein Haus kommen. Wir rufen Hamed zum Uebersetzen an und er erklaert uns das dort Nachts Woelfe unterwegs sind und sich gern mal kleine Schaefchen holen. Tim sagt, dass Woelfe wenn dann nur im aeussersten Notfaell Menschen angehen und wenn dann eigentlich nur Kinder oder kleine Frauen (na toll!) aber dass aufgrund des Fruehlings wirklich keine Gefahr besteht. Nach langem hin und her zieht der Schaefer unzufrieden wieder ab. Kommt aber nach 5 Minuten wieder und verpflichtet Tim, seine Handynummer zu notieren. Anschliessend schlafen wir tief und fest bis zum Sonnenaufgang. Ob da nun Woelfe waren oder nicht ist uns entgangen.

Besonders genießen wir die warmen Abende und morgens aus dem Zelt zu kommen ohne direkt in warme Klamotten schlüpfen zu muessen und sich trotzdem beim Zeltabbau die Finger ab zu frieren. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Es gibt nichts schöneres als am Morgen festzustellen dass das Zelt trocken ist um dann im Sonnenschein ein leckeres Rührei zu brutzeln. Um nichts in der Welt wollen wir dann mit einem Buffet-Fruehstueck in einem 5-Sterne Hotel tauschen.

So richtig oft kommen wir allerdings nicht zum Zelten. Immer wieder werden wir spontan eingeladen und fuerstlich behandelt. Mr. Jafar nimmt uns zwei Tage in Zanjan auf und wird wie ein Bruder für uns. Reza beherbergt uns in Eshtehard und unternimmt mit uns am Abend noch eine kleine Sightseeingtour durch die Stadt. Die Jungs vom „Red Cresent“ (Roter Halbmond, gehört mit zum Rotem Kreuz) mit denen Tim erstmal ne Runde Volleyball und PlayStation spielt, geben uns eine Unterkunft in ihrer Rettungswache. Seid Tagen haben wir hier endlich mal wieder die Möglichkeit eine Dusche zu geniessen, was nach ein paar Nächten im Zelt und Fahrradfahren bei 28°C in langer Hose und Kopftuch wirklich unglaublich schön ist. Abends wird für uns am Lagerfeuer leckerer Kebab gezaubert. Das Zusammensein in dieser fröhlichen Runde läßt einen schnell die Zeit vergessen und so wird es richtig spaet.

In Shiraz verbringen wir drei Tage mit Karim, der uns mit seiner fröhlichen Art und viel Humor oft zum Lachen bringt. Karim fährt uns hunderte von Kilometern in seinem Auto herum, damit wir möglichst viel von seiner Heimat entdecken können. In Karadsch, kurz vor Teheran werden wir von Saeed und seiner Familie aufgenommen. Inzwischen besetzten wir schon fast einen ganzen Monat unser Gästezimmer in Karadsch und werden immer noch reichlich mit Frühstück, Lunch und Dinner versorgt. Auch hier erfahren wir wieder unfassbare Unterstützung in jeder Hinsicht. Dank Saeeds (unser Gastgeber in Karasch bei Tehran) Hilfe koennen alle Dinge sehr einfach geplant werden. Wir hoffen, die Familie im naechsten Jahr in Hamburg als Gaeste empfangen zu duerfen.

Meine stichpunktartige Beschreibung wird dem, was wir hier erleben in keiner Hinsicht gerecht. Wir sind von der iranischen Gastfreundschaft tief beeindruckt und manchmal auch beschämt, bzw. teilweise ist es fast zu viel um es annehmen zu können und doch wird man geradezu dazu genötigt. Wir sind unsagbar dankbar für die vielen lieben Menschen die uns so reich beschenkt haben. Zurück in Deutschland hoffen wir sehr auf Möglichkeiten, diese Gastfreundschaft weiter geben zu können. Vielleicht ist auch gerade dies die beste Art seine Dankbarkeit zu zeigen.

Teheran

Länger als erwartet ist unser Aufenthalt in Teheran. Am Ende wird es wohl auf gut einen Monat hinauslaufen, den wir aber zum Glück nicht direkt in Teheran sondern in Karadsch verbringen. Die Visabeschaffung, der Lärm der Stadt, die völlig überfüllte Metro, durch die sich dann auch noch im Minutentakt Verkäufer drängeln, die versuchen, Schuhsohlen, Zauberstifte und ähnlich obstrusen Kram an den Mann zu bringen und dabei sogar noch erfolgreich sind und der absolut chaotische Verkehr rauben uns den letzten Nerv. Im Grossraum Tehran leben 15 Millionen Menschen die scheinbar alle gleichzeitig den ganzen Tag Metro fahren muessen. Schrecklich schrecklich schrecklich! In dieser Stadt kommt man einfach nicht vorwärts. Unsere Anreise von Karadsch nach Teheran oder zurück dauert jedes mal knapp 3 Stunden. Zu den Rushhour Zeiten, wo die Metro nicht nur überfüllt ist sondern geradezu aus allen Nähten platzt, nehme ich im Frauenwagon platz, in dem man meist etwas mehr Raum zum Atmen hat. Der arme Tim steht auf der anderen Seite der Absperrung,  eingequetscht wie eine Ölsardine in der Dose. Wenn man sich dann noch beim Aussteigen durch eine Herde von Menschen kämpfen muss, die sich irgendwie mit aller Gewalt in den Wagon quetschen bevor auch nur einer aussteigen kann, ist es sehr schwer Tim davon abzuhalten, alles zu Klump zu hauen. Versoehnt wird man dann wieder wenn man beobachtet, wie ein frei werdender Platz sehr nett zunaechst allen Aelteren oder Auslaendern angeboten wird – ein Verhalten was ich in Deutschland noch nie beobachtet habe. Bitte nachmachen!

Leider werde ich das erste Mal krank. Nachdem der Versuch, das ganze auszusitzen fehl geschlagen ist, gehe ich also doch noch zum Arzt. Die Behandlung ist kostenlos für mich (der Arzt freut sich so, weil sein Bruder in Deutschland lebt), ich muss lediglich 3€ für die Antibiotika bezahlen. Ein kleiner Lichtblick in unserer Teheranpsychose. Tiefpunkt hingegen ist es wenn man krank, stundenlang zu einem zuvor vereinbarten Termin zur Tajikistan Botschaft fährt um sein Visum abzuholen und dann mit den Worten „der Herr Konsul sei zu beschäftigt, bitte kommen sie morgen wieder“,weggeschickt wird. Inzwischen haben wir uns aber durchgeschlagen und besitzten Visum für Uzbekistan, Tajikistan und China. Das Visum für Turkmenistan müssen wir nur noch in Mashad abholen.

Von dem kuenstlich langsamen, aufgrund von Sperren kaum zu gebrauchendem Internet fang ich erst gar nicht an zu berichten. Tim erleidet deswegen täglich mehrere Wutausbrüche.

Unser Besuch in Shiraz, bei dem uns Binh und Alessio begleiten, ist eine willkommene Abwechslung von all der Organisationsarbeit. Gespannt tauschen wir unsere Erlebnisse der letzten Wochen aus. Binh und Alessio haben in Armenien einen kleinen, sehr abenteuerlichen Abstecher über Bergkarabach gemacht. Alessio Bezeichnung fuer Karabach ist „fucking country“. Die Menschen dort scheinen ziemlich merkwuerdig zu sein. Besonders die Polizei hat die beiden extrem genervt. Zum Glück kann man im nach hinein meist über die durchgemachten Strapazen Lachen, so auch bei ihren Erzählung.

Aus verschieden Gründen mußten wir unsere Pläne etwas ändern und anpassen. Innerhalb von drei Monaten müssen wir in China einreisen, das bedeutet für uns, das die Zeit ab jetzt läuft. Auch zwingen uns die Ein- und Ausreisedaten der anderen Visa dazu, einen gewissen Zeitplan einzuhalten. Da wir weiterhin am meisten daran interessiert sind „Land und Leute“ kennen zulernen und dies nur schwer möglich ist wenn man von morgens bis abends in die Pedale tritt um ja die X Kilometer zu schaffen muessen wir etwas Strecke ueberspringen. So werden wir von Karadsch nach Mashad einen Bus benutzen. Es ist ein komisches Gefühl, dass das Radfahren in Iran für uns damit schon fast beendet ist.

Mit Binh und Alessio geht es, bevor sich unsre Wege dann wohl für länger trennen, drei Tage in die Natur. Wir genießen es, endlich mal wieder allein unterwegs zu sein, das Zelt auf zuschlagen und auf einem Lagerfeuer zu kochen. Der Gesprächsstoff geht nie aus.

Unsere Abreise in Karadsch steht jetzt kurz bevor. Ich trau mich das kaum zu schreiben, auf unseren Sätteln ist inzwischen tatsächlich eine dicke Staubschicht. Es wird wirklich Zeit das es weiter geht. Außerdem wird Tims Bart immer eindrücklicher. Bisher nehmen es alle mit Humor und nennen ihn „Blond Mullah“ oder “ Mr. bin Laden“. Auch ist es vorgekommen, das wild fremde Menschen auf der Straße Tim auf arabisch ansprechen und dann in seinen Bart grabschen. Aber wer weiß, vielleicht kippt die Stimmung dies bezüglich noch. So wie bei mir, als ich während einer Busfahrt bemerkte das aus Tims Bart eine Ameise gekrabbelt kam. Da hört der Spaß auf. Also lieber schnell weiter! Alé!

Armenien
Armenien – Teil 2
3. Mai 2015
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Nach einigen Tagen Pause mit einhergehender Regeneration in Eriwan geht unsere Reise am 18. März bei tollem Wetter weiter. Die Straße führt direkt auf den gigantischen Vulkan Ararat zu. Leider versteckt sich dieser aber den ganzen Tag hinter Wolken und lässt uns nur selten einen kurzen Blick auf sich zu. Seine gewaltigen Dimensionen können wir deshalb nur erahnen sind aber trotzdem sehr beeindruckt. Wir fahren noch nicht lange da bemerkt Tim, dass er hinten einen platten Reifen hat. Bei 5920km die 3. Reifenpanne, sonst keinerlei Probleme. Da wollen wir nicht meckern, Tim ist inzwischen geübt, der Schlauch ist schnell gewechselt und die Fahrt kann weiter gehen.

19. März, mein Geburtstag. Ein perfekter Tag! Wir haben einen wunderschönen Zeltplatz in der Natur und genießen zur Feier des Tages sogar zwei Tassen Kaffee. Bevor wir auf die Räder steigen, erklimmen wir unseren kleinen Hausberg und verabschieden uns bei toller Sicht vom Ararat. Ansonsten wird mein Geburtstag ein Tag der „Rekorde“: Den bisher höchsten Punkt der Reise erradelt, dazu 1600 Tageshöhenmeter (nur hoch) und den 6000. Kilometer bestritten und damit vielleicht knapp die Hälfte der Tour geschafft. Was für ein Tag!

Die letzten Tage in Armenien bis zur iranischen Grenze sind noch mal richtig herausfordernd hinsichtlich Strecke und Temperaturen. Es geht über hohe Passstrassen wieder runter um dann erneut die nächste, nicht weniger hohe Straße in Angriff zu nehmen. Mehrmals halten Lkw-Fahrer neben uns und bieten uns an, unsere Räder in den Laderaum zu schmeißen und so die Passstrasse bequemer hinrauf zu kommen. Verlockendes Angebot. Aber der Ehrgeiz, wenn man schon so viel Anstrengung hinter sich hat, nicht auf den letzten Metern abzubrechen ist zu groß und wir lehnen die Angebote dankend ab. Wenn dann der LKW hinter der nächsten Kurve verschwindet, fragt man sich warum um alles in der Welt man abgelehnt hat. Die Belohnung kommt aber wenn man irgendwann abgekämpft oben ankommt, sich in einer grandiosen Schneewelt wieder findet, tolle Berglandschaft bestaunt und anschließend die wohlverdiente Abfahrt genießt.

Nicht nur die Passstrassen stellen eine Herausforderung da. Wir sollen, damit wir in Iran den erwarteten Frühlung so richtig wertschätzen können, noch mal erleben was „Winter“ bedeutet. Für die Nächte im Zelt kommen alle warmen Klamotten zum Einsatz und wir können immer gut schlafen. Wenn wir dann morgens aus dem eingeschneiten Zelt kriechen, schnell einen heißen Kaffe schlürfen, alle Klamotten mit jedem Tag feuchter werden und sich keine Möglichkeit zum Trocknen findet, wenn beim Zeltabbau die Hände einfrieren, dann stellen wir uns vor das bald der Frühling kommt und wir auf einer Decke vor dem Zelt gemütlich in der Sonne frühstücken.

Am 22. März rückt die Vorstellung vom warmen Frühling in unerreichbare Ferne. Bei 0,5°C mit Schnee- und Eisregen + ordentlich Wind kämpfen wir uns bis nach Goris. Solange es bergauf geht bleibt man warm, aber die ansonsten so geliebten Abfahrten sind heute ein einziger Härtetest. Aus mir unbekannten Gründen hab ich keine Regenhose angezogen und nach kurzer Zeit sind meine Beine komplett nass und eiskalt. Der Fahrtwind peitscht einen den Schnee-Eisregen ins Gesicht. Tims Bart besteht nur noch aus Eis, meine Wangen fühlen sich an wie „1000 Stecknadeln“ und sehen kann man schon lange nichts mehr. Die Haende sind durchgefrohren und kaum in der Lage zu bremen. Als wir endlich Goris erreichen, stürzen wir in das erstbeste Motel (an Campen ist wirklich nicht mehr zu denken) und verbreiten eine riesige Sauerei. Unser einfaches Zimmer besitzt keine Heizung, aber wir werden mit einem winzigen klapprigen Heißlüfter versorgt. Heißlüfter? Naja, wenn man sich konzentriert kann man ein laues Lueftchen erahnen. Mit Haenden und Fuessen erwirkt Tim an der Rezeption ein etwas groesseres Modell was immerhin im Umkreis von einem Meter die Temperatur um ein paar Grad steigen laesst, der uebrige Raum bleibt eiskalt. No problem. Während Tim als echter Gentleman als Erster in die Dusche springt, schimpft er ordentlich: Eiskaltes Wasser. Da er eh schon eingefrohren ist faengt er trotzdem an zu Duschen. Nach einigen Minuten dann der erloesende Jubelschrei: Ganz langsam wird das Wasser immer waermer bis es dann richtig heiss wird. Tim bleibt eine Stunde regungslos unter Dusche, ich vor dem Heizluefter im Bett.

Da es sich über Nacht eingeschneit hat, ist die Weiterfahrt unmoeglich. Wir bleiben einen Tag in Goris. Am nächsten Morgen kann es bei gutem Wetter auf die schönste und bisher längste Abfahrt gehen. Die Straße schlängelt sich durch eine wunderschöne Schlucht und hinter jeder Kurve erwartet uns ein neuer, faszinierender Ausblick. Alle paar Minuten muessen wir stehenbleiben und staunen. Hier bekommen wir auch den ersten Kontakt zur iranischen Gastfreundschaft: Zwei LKW-Fahrer, die gerade Pause machen und Picknicken, rufen uns zu sich und teilen mit uns Tee, Brot und Käse.

Von der iranischen Grenze trennt uns jetzt nur noch der Meghri-Pass. Passhoehe: 2540m. Das meisste davon so steil, dass ein grosser Teil geschoben werden muss. Wir sind umgeben von noch hoeheren, schneebedeckten Bergen. Die Landschaft ist wie so oft wahnsinnig schön und lenkt ein wenig von der Anstrengung ab. Viele vorbei fahrende Autofahrer motivieren uns mit zuhupen, winken und applaudieren. Auch als Foto – oder Filmmotiv sind wir gern genommen: Andauernd halten Autos an um reichlich Fotos zu schiessen. Wir haben auch das Gefuehl, dass uns alle fuer komplett bescheuert halten. Irgendwann kommen wir tatsächlich oben an, ein unglaublich tolles Gefühl. Obwohl wir fix und fertig sind, sind wir einfach nur gluecklich und froehlich. Ob da in unseren Gehirnen was falsch verdrahtet ist? Vielleicht sind wir ja wirklich komplett bescheuert 🙂 

Kurz vor Meghri verbringen wir unsere letzte Nacht in Armenien. Zuvor werden wir noch bei einem älteren Herren zum Tee eingeladen. Eigentlich ist es schon spät und wir wollen noch etwas weiter kommen, aber die Einladung ist einfach nicht abzuschlagen. Wir folgen dem Mann in seine einfache Hütte. Er gibt sich sehr viel Mühe ein guter Gastgeber zu sein. Der Ofen wird für uns angefeuert und ein Tisch zurecht gerückt, dann gibts Tee und eine süß eingelegte Frucht. Gut das wir die Einladung angenommen haben. Die Verständigung war zwar auessert schwierig, aber die Mühe, die sich der Mann für uns gemacht hat war einfach super lieb.

Am 27. März haben wir perfektes Wetter und der lang ersehnte Frühling scheint tatsächlich näher zu rücken. Wir passieren Meghri und radeln auf die iranische Grenze zu. Im letzten Shop kauft sich Tim, obwohl noch vormittags, ein grosses Bier und trinkt mit grosser Freude und Hingabe sein fuer lange Zeit letztes Bier.

Die Landschaft ist so beeindruckend, dass wir vor lauter gucken kaum an die Grenze kommen. Wir sehen die kargen Berge des Iran im starken Kontrast zu dem grünen Armenien, in dem hier und da schon ein paar Pflanzen rosa und gelb blühen. Unbeschreiblich! Wunderschön und sehr beeindruckend! Wir einigen uns darauf, die bisher schoenste Etappe geradelt zu sein. Wenn man sowas ueberhaupt neutral beurteilen kann.

Nun liegt die Islamische Republik Iran vor uns. Wir sind sehr gespannt. Zumindest sehen wir jenseits der Grenze keine uralten Ladas mehr fahren sondern ueberwiegend saubere weisse Peugeots. Recht verheissungsvoll oder?