Kirgisistan
Kirgistan
4. August 2015
0

Welch ein Kontrast! Nachdem wir in Tadschikistan tagelang durch beeindruckende aber gleichzeitig doch sehr karge und einsame Landschaft gefahren sind, ist der Grenzübergang zu Kirgistan ein starker Schnitt.

Wir lassen das tadschikische Grenzgebäude auf der kargen Passhöhe zurück und biegen um die erste Kurve. Vor uns liegt ein langes Tal. Die Berge sind grün, der Sand ist rot. In der zweite Reihe erscheinen schneebedeckte Berge. Welch eine Farbenvielfalt!

Bis wir das kirgisische Grenzgebäude erreicht haben vergehen zwei Stunden. Die längste Strecke zwischen zwei Grenzübergängen. Zwei Stunden geht es fast ausschließlich bergab. Zu Beginn ist die Straße noch sehr schlecht, wird dann aber immer besser. Auch das Wetter bessert sich, je mehr wir an Höhe verlieren. So stecken wir oben noch im Schneegestöber welches dann in Regen übergeht. Als wir unten ankommen scheint die Sonne.

  
Die Einreise nach Kirgistan ist ähnlich unproblematisch wie die nach Tadschikistan. Wir müssen lediglich kurze Zeit warten bis der Grenzbeamte gefunden ist der unsere Pässe zu kontrollieren hat. Er hat wohl ein kleines Nickerchen gehalten… Nachdem die Stempel im Pass sind dürfen wir ohne weiter Gepäckkontrolle einreisen.

Das Tal ist inzwischen immer breiter geworden und vor uns liegt eine weite, grüne Hügellandschaft. Überall stehen Jurten aus deren Schornstein weißer Rauch steigt. Auf den Wiesen laufen Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde frei herum. Ein paar Kindern, mit sonneverbrannten, dunkel roten Wangen, kommen zu uns gelaufen und begrüßen uns fröhlich.

 

Freundliche und lachende Kinder begrüssen uns in Kirgistan


 
Überglücklich erreichen wir am Abend Sary Tash. Wir brauchen dringend ein paar Tage Erholung. Die letzten Wochen waren in jeder Hinsicht eine ziemlich Herausforderung.

Sary Tash ist ein kleiner, verschlafener Ort der uns gut gefällt. Leider gibt es im Hostel kein Internet und auch keine Möglichkeit, eine Simcard zu kaufen. Da wir Internet benötigen um unsere weitere Reise zu planen und vor allem, um unsere Peak Lenin Tour zu organisieren, entscheiden wir uns per Anhalter nach Osch zu fahren. Die Räder bleiben in der Garage vom Hostel.

 

Unser Blick über Sary Tash in die gigantischen Berge des Pamir, wo wir herkommen.

 
Wir warten ca. 40 Minuten, da hält ein chinesischer Kleinwagen. Mit Vater, Mutter und vier Kindern sieht es eigentlich schon recht voll aus in dem Auto. Da sie nun aber schon für uns angehalten haben sagen wir ihnen das wir gerne nach Osch fahren würden. Kein Problem. Auf der Rückbank wird etwas zusammen gerutscht und ich bekomme vorne ein Kind auf den Schoss gesetzt. Zu acht im Fünfsitzer und die Fahrt nach Osch beginnt. 

Sary Tash liegt auf ca. 3200 m, Osch auf 1000 m. Was Tim und ich nicht bedacht haben: Es ist Sommer. Wenn man so lange in der angenehm frischen Bergluft unterwegs war kann man das schon mal vergessen. Wir sind also mit Daunenweste und dickem Pulver ins Auto gestiegen und für den Fall der Fälle haben wir auch noch eine Mütze eingesteckt. Wer weiß, abends könnte es ja frisch werden. Die Fahrt nach Osch dauert vier Stunden und mit jedem Kilometer dem wir der Stadt näher kommen wird es heißer. Seit dem wir aus dem Pamir gekommen sind gab es noch keine Möglichkeit zu duschen. Seit einer knappen Woche ungeduscht, wollen wir jetzt nicht unsere Pulver (aus denen es eh schon empfindlich rausmüffelt)  ausziehen und so schwitzen wir vor uns hin. Das Kind auf meinem Schoss schläft die halbe Fahrt. Ich hab alle Hände voll zu tun den hin und her schaukelnden Kopf zu halten. Ich bin froh als wir eine kurze Pause einlegen bei der das kleine Mädchen wach wird. Nach dem Stop nimmt es auf der Rückbank platz und ich bin froh bei der Hitze keine  Heizung mehr auf dem Schoss sitzen zu haben. Am spätem Nachmittag erreichen wir unser Hostel in Osch. Statt den gewohnten 15-20 °C haben wir jetzt um die 40 °C. Erstmal duschen!

 

Diese nette Familie nimmt uns Stinker mit nach Osh – daher gucken die Kinder etwas benommen

 
In Osch machen wir eine kleine Reiseagentur ausfindig, die Touren zum Peak Lenin Base Camp anbietet. Nach einem langem Gespräch bei dem wir ausführlich unsere Situation beschreiben (Radreise, kein Alpineqipment dabei usw.) wird uns versichert: Alles kein Problem. Wir können sämtliches Material im Base Camp bei anderen Agenturen ausleihen. Tim und ich freuen uns über die gute Nachricht und so sitzen wir am 2. Juli, gemeinsam mit acht Alpinisten (die allesamt bergeweise Equipment dabei haben und sich wundern was wir vorhaben) in einem voll bepacktem Kleinbus und fahren zum Peak Lenin Base Camp.

Am Abend erreichen wir das Base Camp auf 3700 m und beziehen unsere kleine, gemütliche Jurte. Die Sicht ist klar und erstmalig sehen wir den Peak Lenin in seiner ganzen Größe. Selbst schon auf 3700 m und trotzdem türmt sich vor uns ein riesiger Berg mit gigantischen Schneeplatten auf. 7134 m! Langsam bekommen wir doch einwenig Respekt.

 

Die letze Jurte ist unsere. Wow!

 
Wir genießen die beeindruckende Landschaft am Peak Lenin und sind erneut von der Vielfalt der Farben und Felsen begeistert. Insgesamt ist es uns hier aber zu touristisch. Nach zwei Tagen im Base Camp steht fest, dass wir ein Problem haben. Die großen Versprechungen, wir könnten hier „alles“ ausleihen, erweisen sich als falsch. Wir klappern die Zelte der verschiedenen Reiseagenturen ab und sind leider erfolglos. Keine Chance. Um zum Camp 1 zu kommen benötigt man noch keine besondere Ausrüstung und so wollen wir wenigstens bis dort hinwandern.

Die Wanderung zum Camp 1 führt, wie soll es anders sein, durch beeindruckende Landschaft. Je höher wir kommen desto anstrengender wird es. Da wir die Nacht im Camp 1 verbringen werden und es eine wage restchance gibt, sind wir zusätzlich mit dicken Rucksäcken bepackt, was die Anstrengung noch vergrößert. Es geht lange entlang des Gletschers. Weiter oben treffen wir auf mehrere Gletscherflüsse. Die Sonne, die den ganzen Tag so toll geschienen hat, hat jede Menge Schmelzwasser produziert. Die Flüsse, die morgens kleine Flüsschen sind, haben sich zu reißenden Bächen entwickelt. Diese so spät am Nachmittag zu überqueren (ja, wir sind heute morgen nicht ganz so früh gestartet…13:00 Uhr ist wohl etwas spät gewesen) ist eine echte Herausforderung und nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir müssen an den Flüssen auf und ab laufen um eine halbwegs ruhige Stelle zu finden. Dann heißt es springen. Ich springe zuerst. Tim wirft mir mit aller Kraft unsere Rucksäcke hinterher und kommt dann hinterher. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir geschafft und mit nassen Füßen Camp 1 auf 4500 m. Juhu!

 

Auf dem Weg zum Camp 1

 
Keine Ausrüstung am Camp 1. Früher als gehofft endet unsere Peak Lenin Expedition. Trotzdem konnten wir ein bisschen Alpinistenluft schnuppern. Eine spannende Erfahrung für uns. Das ist nochmal was ganz anderes als alles was wir bisher im Bergsport kennengelernt haben. Aber wir sind wohl aber doch eher die Kletterer…

Wie wir von Bergsteigern im Camp 1 hören liegt noch sehr viel Schnee. Eine Gruppe von Alpinisten musste bei 6000 m umkehren da sie bis zur Hüfte im Schnee versunken sind. Der Gipfel ist also innerhalb der nächsten Wochen eh nicht zu erreichen und so sind Tim und ich nicht ganz so traurig abbrechen zu müssen. Außerdem gibt es bereits einen tollen Plan B.

Wir verlassen das Camp 1 und haben auf dem Rückweg keine Probleme die Flüsse zu überqueren – es ist noch Vormittag. Kurz bevor wir das Base Camp erreichen, treffen wir auf eine Gruppe von österreichischen Botanikern. Den Blick nach unten gerichtet spazieren sie über die Wiesen. Wenn jemand eine besondere Pflanze entdeckt wird diese gemeinsam begutachtet und bestaunt. Wir freuen uns riesig über diese Leute. Manche wenden ihren Jahresurlaub auf und geben alles um mühsam auf einen Siebentausender zu steigen. Dazu müssen sie sogar mehrfach den selben Weg zurück legen um nach und nach ihr Gepäck von Camp zu Camp zu schleppen. Andere kommen in genau die selbe Gegend, scheinen die Berge aber gar nicht wahr zunehmen. Sie richten den Blick nicht in die Ferne sondern direkt vor ihre Füße und begeistern sich für Blumen, die von den Alpinisten wahrscheinlich unbeabsichtigt platt getrampelt werden. Wahrscheinlich kann keiner den anderen verstehen und denkt nur wie bekloppt der andere jeweils ist.

Unser Plan B hat sich ergeben als wir im Base Camp Lars kennengelernt haben. Er kommt aus Halle und ist seit Monaten mit seinem offroadfähigem T3 unterwegs. Er hat einen Halbtagsjob, arbeitet aber ein halbes Jahr Vollzeit um dann zu reisen. Inzwischen haben wir soviele Menschen mit so spannenden alternativen Lebensmodellen kennengelernt. Abi, Uni, 60 Stunden Woche und dann wegen Burnout in Frührente? Da müsste es doch ein paar Möglichkeiten mehr geben!

 

Tanken in Kirgistan

 
Für Kirgistan hat er sich vorgenommen den Peak Leipzig und einen weiteren, bisher unbestiegenen Berg zu erklimmen. Als Erstbesteiger dürfte er dann diesem Berg einen Namen verpassen. Die nächsten Tage will er die Umgebung dieser Berge schonmal auskundschaften – wir dürfen ihn begleiten. Wenn das mal nicht eine gute Alternative ist.

Bevor unsere Aufklärungsmission startet verbringen wir einen letzten Tag im Base Camp. Wir sitzen gerade mit Lars zusammen um Pläne für die nächsten Tage zu schmieden, da wird uns Bescheid gegeben das bei Pusselbeck (ihm gehört die einzige untouristische Jurte gleich gegenüber) ein Schaf geschlachtet werden soll. In Deutschland wird so unverhältnismäßig viel Fleisch gegessen – war schon mal jemand dabei wie ein Tier geschlachtet wurde? Wir entscheiden uns bei der Schlachtung dabei zu sein, nicht um was „spektakuläres“ zu erleben, sondern ein Bezug dazu zu bekommen, dass Fleisch essen auch immer töten eines empfindungsfähigen Lebewesens bedeutet. Als wir bei Pusselbecks Zelt ankommen liegt das Schaf schon gebunden auf dem Boden. Ein Mann nimmt Tim beim Arm und führt ihn zu dem Schaf. Er bedeutet Tim die Hände auf den Körper des Schafes zu legen um es zu halten. Ein andere Mann kniet sich zum Kopf des Schafes, hält diesen fest und versetzt dem Schaf dann einen Schnitt durch die Kehle. Sofort fließt viel Blut aus der Halsschlagader in die kleine Kuhle die zuvor in den Boden gegraben wurde. Der Todeskampf dauert 1-2 Minuten, dann hat es das Schaf geschafft. Ein kleiner Junge (ca. 7 Jahre alt) ist die ganze Zeit dabei. Jetzt wo das Schaf tot ist hilft er tatkräftig mit. Dem Schaf werden die Beine gebrochen damit das Fell abgezogen werden kann. Als das geschehen ist, das Schaf hängt inzwischen kopfüber an einem Holzgestänge, geht es daran das Tier auszunehmen und das Fleisch zu zerteilen. Eine Stunde ist vergangen, das Fell liegt zum trocknen auf der Wiese, an dem Holzgestänge ist von einem Schaf nichts mehr zu sehen. Die Schlachtung ging routiniert von statten, man merkt das sie hier zum Alltag gehört. Alles verlief seht ruhig und respektvoll. Tim berichtet später wie er das Zucken des Schafes und den immer langsamer und unregelmäßiger werdenden Herzschlag spüren konnte. Ein keineswegs schöner, jedoch sehr berührender und prägender Moment. Vegetarier werden wir wohl nicht, zurück in Deutschland haben wir jedoch vor unseren Fleischkonsum zu ändern und sehr viel bewusster zu machen.

7. Juli – wir verlassen das Base Camp. Um 12:00 Uhr steht Lars mit seinem gelben T3 vor unserer Jurte. Unser Gepäck wird eingeladen und los geht’s. Bis man vom Base Camp zurück auf der Hauptstraße ist dauert es etwas, vor allem wenn man (Mann) erst versucht den kürzeren Weg direkt durchs Flussbett zu nehmen. In dem kleinen Ort Sary Mongul gibt es am Marktplatz viele kleine Läden die wir, einen nach dem anderen abklappern. Am Ende unserer kleinen Shoppingtour sind die Vorratskammer bis obenhin gefüllt. Ein ziemlich gutes Gefühl beim Einkaufen nicht die Kilos zählen zu müssen die man hinterher auf dem Rad schleppen muss. Auf einem kleinen Berg entdecken wir den perfekten Schlafplatz für die Nacht. Leider führt keine Straße sondern nur ein Entwässerungsgraben dort hin. Lars stellt sein Können als Fahrer und der T3 seine Power unter Beweis. Nach einigem Aufwand erreichen wir den zuvor ausgespähten Platz und genießen ein Panorama auf die gegenüber liegende Bergkette. Als es dunkel ist können wir sogar die Lichter des Peak Lenin Base Camp sehen.

  
Nach einem ausgiebigen Pfannkuchenfrühstück machen wir uns auf den Weg zum Normadencamp von welchem aus wir zu unserem ganz eigenem Peak Leipzig Base Camp aufbrechen wollen. Auf dem Weg dorthin macht der T3 kurz Ärger. Das Problem kann von Lars zum Glück recht schnell gelöst werden. Der Ansaugfilter ist dicht und wird durch einen neuen gewechselt. Beim abziehen des Filters sehen wir jede Menge kleine Teilchen im Diesel schwimmen. Kein Wunder das der Filter dicht ist. Benzin ist in Zentalasien oft sehr verdreckt.

Nach ca. einer Stunde fahren wir wieder. Es geht einen schmalen Weg das Tal rauf. Der Weg endet auf einer weiten Wiese die von Hügeln und Bergen umgeben ist. Auf der Wiese verteilt stehen überall Jurten – das Normadencamp. Wow, es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde.

Wir suchen uns ein etwas abseits gelegenen Platz und geben den Leuten Zeit, auf uns zu zukommen. Schüchtern schleichen in einiger Entfernung ein paar Kinder um uns herum und trauen sich nach und nach immer dichter zukommen. Auch die Erwachsenen werden neugierig und beginnen zu tuscheln. Touristen sind hier äußert selten erfahren wir später. Ein kleiner mutiger Junge ist der Erste der sich ganz zu uns heran traut und ein kurzes Gespräch mit Lars beginnt, der ein wenig russisch spricht. Sofort ist der Damm gebrochen und alle kommen herbei und wollen die Fremden mal aus der Nähe betrachten. Lars ist mit den Männern im Gespräch und organisiert die nächsten Tage. Tim beginnt mit den Kindern zu toben und denkt sich immer neue Spiele aus. Ich werde von den Mädchen mit Blumengeschenken überhäuft. Zum Abendessen werden wir in eine der Jurten eingeladen. Wir fühlen uns hier super wohl und freuen uns besonders einen vom Tourismus verschonten Ort gefunden zuhaben in dem wir mal wieder die Möglichkeit haben das richtige Leben kennen zu lernen.

  
  
  
9. Juli – wir brechen vom Normadencamp auf und beziehen unser eigenes Peak Leipzig Basecamp zwei stramme Wanderstunden entfernt. Unser Gepäck wird von drei Männern mit ihren Pferden hoch getragen. Ich kann dem Angebot, auf einem der Pferde mitzureiten, nicht widerstehen. Tim und Lars wandern das Tal hinauf und erreichen kurz nach mir das Basecamp. Wow, schon wieder ein so gigantischer Ort.

Nachdem wir mit den Horsemen besprochen haben, dass sie uns hier in fünf Tagen wieder abholen sollen, reiten sie zurück ins Tal. Jetzt sind wir ganz allein. Unser Base Camp auf einer schönen grünen Wiese ist schnell eingerichtet und wir genießen den Blick auf den Gletscher und den gewaltigen Berg, der sich vor uns auftürmt. Zur Begrüßung oder vielleicht als kleine Warnung gehen mehrere Lawinen mit lautem krachen ab.

11. Juli , der Wecker klingelt um 07:00 Uhr. Für heute ist gutes Wetter vorausgesagt und somit soll es heute „in den Berg“ gehen. Wir wollen über die Brunnerrinne aufsteigend die erste Etappe der Peak Leipzig Tour auskundschaften. Zuerst geht es über Geröll und dann weiter über ein sehr steiles Schneefeld. Das bergsteigen ist unglaublich anstrengend. Zum einen haben Tim und ich keine Steigeisen, weswegen wir immer wieder weg rutschen und zum anderen spüren wir die dünne Höhenluft. Wir steigen bis 4900 m auf, dann geht’s leider nicht weiter. Die Sonne hat den Schnee soweit aufgeweicht, das wir bei jedem zweiten Schritt bis zum Knie einsacken und kaum noch vorwärts kommen. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich bei dem weichen Schnee auf dem steilen Hang eine große Schneeplatte löst und uns mit reißt. Diese Vorstellung ist wenig attraktiv und so müssen wir unsere Tour abbrechen. Das Schneefeld ist so steil, dass Tim und ich hervorragend auf den Schuhen runter schlittern können. So brauchen wir nur 30 Minuten um wieder unten zu sein (für den Aufstieg haben wir drei Stunden gebraucht).

Die vier Tage in einsamer Natur neigen sich dem Ende. Nach einem gemütlichen Frühstück trudeln wie verabredet die Horsemen bei uns ein. Unser Gepäck wird von den Pferden zurück ins Normadencamp getragen. Als auch wir dort ankommen wird alles im T3 verstaut und es geht zurück nach Sary Tash.

Nachdem wir in Sary Tash einen Tag dafür gewidmet haben unsere vernachlässigten Bambusgefährten zu pflegen und wieder Ordnung in unser Chaos zu bringen kann es heute weiter gehen. Ca. 14 Tage Radfahrpause liegen hinter uns, jetzt heißt es wieder kräftig strampeln. Vor uns liegt der Irkeshampass der uns zur chinesischen Grenze führt.

 

Die netten Besitzer unseres Hostels. Immer am lachen…

 
Eineinhalb Tage kämpfen wir mal wieder gegen starken Gegenwind an bis wir die Grenze erreichen. Der Wind kann uns aber nicht davon abhalten die traumhafte Landschaft zu bestaunen und das vorerst letzte Mal kirgisische Atmosphäre einzuatmen (Jurten, Männer auf Pferden…). Kirgistan ist ein wunderschönes Land. Vielleicht das schönste Land unserer Reise. Wir haben uns fest vorgenommen wieder zukommen damit wir die vielen Orte kennenlernen können die wir noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Es gibt noch so viel zu entdecken.

  
Und jetzt stehen wir tatsächlich vor der chinesischen Grenze…Wie weit war das immer weg. Von Hamburg mit dem Bambus-Fahrrad nach China. Tataaa! Da sind wir! Für uns ist das alles unvorstellbar…

Unser letzter Campingplatz kurz vor der chinesischen Grenze.

Kirgisistan Tadschikistan
Trailer Tadschikistan und Kirgistan
29. Juli 2015
0

Ein kleiner Vorgeschmack unserer Reise durch die wunderschönen Länder Tadschikistan und Kirgistan. Längere Videos werden erst nach unserer Rückkehr produziert. Obwohl – kommen wir eigentlich zurück? Das Leben als Radnomaden gefällt uns soooo gut!

 

 

Deutschland
Tadschikistan von Khorog nach Kirgistan
29. Juli 2015
0

In Khorog treffen wie es scheint alle Pamirreisenden zusammen. So manchen Abend sitzen wir in toller Runde mit Letten, Ukrainern, Amerikanern, Koreanern, Belgiern und Franzosen zusammen. Der Amerikaner lebt seit 10 Jahren in Hongkong, der Ukrainer seit langer Zeit in Kanada und die Letten wohnen in Norwegen – die Vielfalt hört nicht auf und es ist super spannend aus aller Welt Geschichten hören zu können.

Fünf Tage im gemütlichen Hostel in Khorog liegen hinter uns. Es war schön alte Bekannte die wir in Duschanbe kennengelernt haben wie Gret und Paul, Will oder Mark hier wieder zu treffen. Wir sind wieder Topfit und aller „Schaden“ den die unbequeme Fahrt im LKW verursacht hat ist behoben.

Fachmännisches gelöte am Universal-Ladegerät

 
Am 18. Juni sind wir startklar für die nächste Etappe. Nach einem gemütlichen Frühstück starten wir gemeinsam mit Will (Irland), Mark (USA) und Kim (Südkorea).

Wir fahren durch das Wakhantal immer entlang des Panji und Afghanistans. Wow! Die Landschaft ist absolut beeindruckend. Wenn doch bloß die Straße nicht so schlecht wäre… Eigentlich hatten wir erst später mit schlechten Straßenverhältnissen gerechnet aber schon jetzt ist kein Asphalt mehr in Sicht. Die Straße zieht sich im ständigen auf und ab durch das Tal und ist zudem sehr holprig und sandig. Bereits am ersten Abend spüren wir unsere müden Beine die doch eigentlich nach einer langen Erholungspause top fit sein müssten.

 

Bei Kilometer 9000 taucht der Hundukusch vor uns auf

 
Heute wird die Reise bei tollem Wetter und weiterhin umwerfender Landschaft fortgesetzt. Vor uns türmt sich der schneebedeckte Hindukusch auf. Was für ein Bild. Und genau in diesem Moment erreichen wir den nächsten Meilenstein: 9000 km! Juhuu! Bald wird es fünfstellig….

Von himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt: Nachdem wir so glücklich waren unseren 9000sten Kilometer erradelt zu haben, gibt es wenig später Probleme. 12 km nach Ischkeshim rutscht Tims Tretlager erneut aus dem Rahmen. Ärgerlich, aber noch gerade „rechtzeitig“ bevor wir so ganz und gar ab vom Schuss sind. Wir halten eins der selten vorbeikommenden Autos an und bekommen sofort Hilfe. Der Fahrer kann uns zwar nicht in seinem Kombi mitnehmen, organisiert uns aber ein „Taxi“ (eine Art Jeep) und wartet dann sogar noch so lange mit uns bis das Taxi da ist und die Räder verstaut sind. Will war uns ebenfalls eine große Hilfe. Er spricht etwas russisch und hat die ganze Zeit für uns übersetzt. Nach zwei Tagen gemeinsamen reisens heißt es nun wieder Abschied nehmen. Will wird die Tour durch das Wakhantal fortsetzen, wir fahren mit dem Taxi zurück nach Khorog.

 

Retter in der Not

 
Was wir in zwei Tagen mühsam geradelt sind fahren wir nun in ein paar Stunden mit einem gut gefederten Jeep zurück. Jetzt verstehen wir warum die Aussagen von Autofahrern bezüglich Straßenverhältnissen oft so stark von dem abweichen was man selbst (als Radfahrer) sagen würde. Das bisschen auf und ab kostet im Auto keinerlei Anstrengung, durch einen Fluss wird kurzerhand durchgefahren, der Schotter und Sand ist gar nicht zu bemerken und das ein oder andere Schlagloch führt durch die Federung zu einem gemütlichen Schaukeln. Aber auch ein Jeep kann nicht alles. Wir sind über einen Nagel gefahren und müssen nun den platten Reifen wechseln. Am Abend sind wir zurück im Hostel in Khorog.

Den 20. Juni verbringen wir im Hostel damit das Fahrrad zu reparieren und die Routenveränderung zu planen. Das Werkzeug für die Reparatur haben wir bereits und auch eine Tube Epoxy gehört zu unserem Gepäck. Das Tretlager ist innerhalb des Vormittags wieder fixiert (dieses mal haben wir noch mehr Epoxy verwendet!) und wir können morgen wieder aufbrechen.

  
Durch die kleine Panne und zuvor einige Krankheitstage sind wir nun etwas in Zeitnot geraten und würden die Route durch das Walhantal nicht mehr schaffen. Wir schlagen daher die etwas kürzere nördliche Straße (M41) ein die sich später wieder mit der aus dem Wakhantal kommenden Straße verbindet.

Wie sich herausstellt ist die Strecke auf der M41 mindestens genauso schön wie die durch das Wakhantal. Unterschied: Hier ist alles viel grüner, der Fluss ist nicht braun sondern blau und man fährt immer wieder durch kleine Dörfer in denen ein Kinder entgegen laufen, fröhlich winken und die Hände zum Abklatschen entgegen strecken.

  
Zur Mittagszeit erwischt uns heute ein heftiger Schauer. Zum Glück sehen wir ein kleines Haus in der Nähe. Wir fahren schnell hin und fragen ob wir uns unterstellen dürfen bis der Regen vorüber ist. Was für eine Frage! Natürlich dürfen wir. Sofort wird für uns der Tisch frei geräumt und wir sollen uns setzten. Dann gibt es für jeden eine Tasse Tee. Wir haben großes Glück, die Tochter der Familie ist gerade zu Besuch. Sie spricht hervorragendes Englisch und so können wir uns sogar unterhalten. Der Regen hört langsam auf. Wir bekommen noch eine Portion Spiegeleier und Brot, dann dürfen wir weiter fahren. Das ist mal wieder einer dieser großartigen kleinen Momente die man nur erlebt wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist und somit Wetter und Menschen „ausgeliefert“ ist.

Inzwischen sind wir so richtig im Pamir  auf dem Dach der Welt angekommen (der Begriff wurde ursprünglich nur für den Pamir verwendelt). Es wird immer karger, manchmal wüstenartig und immer dünner besiedelt. Fast täglich gilt es einen Pass zu überqueren. Wir befinden uns ausschließlich über 3000 Meter. Das Wetter wechselt hier oben oft schnell. In der Sonne ist es warm und man muss aufpassen das man nicht verbrennt. Ist kurz eine Wolke vor der Sonne ist es sofort kalt. Nachts haben wir es unter 0 °C, einmal sind wir sogar komplett eingeschneit. Auch der Wind scheint hier anderen Gesetzen zu folgen. Wie sonst ist es möglich das wir tagelang Gegenwind haben und  selbst wenn wir die Fahrtrichtung wechseln – der Wind dreht immer mit.

 

Immer gemütlich: Unser makelloses Zelt

 
Durch Wind und Kälte haben wir uns inzwischen daran gewöhnt im Zelt zu kochen. Nach anfänglichen riesen Chaos kann das jetzt sogar richtig gemütlich werden.

Apropos Wind: Bei starken Wind und steinigem Boden ist es manchmal gar nicht so einfach das Zelt aufzubauen. Des öfteren sind wir da froh zu zweit unterwegs zu sein. Andere Reisende, die allein unterwegs sind, haben uns berichtet das sie bei Sturm teilweise bis zu zwei Stunden damit verbracht haben ihr Zelt aufzubauen.

26. Juni – heute geht es hoch hinaus! Vor uns liegt der bisher höchste Pass unserer Reise. Die erste Hälfte ist eigentlich nicht so schlimm, wenn doch bloß nicht permanent dieser nervige, starke Gegenwind wäre. Die letzten 300 Höhenmeter haben es in sich. Es ist super steil und die Luft wird immer dünner. Mit aller Kraft schieben wir unsere Räder Meter um Meter vorwärts. 15 Schritte schieben, eine Minute stehen und Luft holen. Wir kommen nur langsam voran und es ist wirklich mega anstrengend. Aber irgendwann ist es geschafft. 4655m! Yeah! Was für ein Gefühl und vor allem: Was für eine Aussicht.

 

Völlig fertig auf 4655 m

 
Den letzten Abend in Tadschikistan verbringen wir oberhalb des Karakulsees. Von der Straße aus konnten wir das erste mal einen Blick auf den 7135 Meter hohen Peak Lenin werfen. Den Peak Lenin zu besteigen ist unser Projekt für Kirgistan. Tim redet seit Wochen von nichts anderem 🙂
28. Juni
Zur kirgisischen Grenze sind es 28 km auf denen es allerdings noch über zwei Pässe geht. Von der Nacht gut erholt ist der erste Pass schnell geschafft. Der zweite Pass, auf dessen Passhöhe (4200 m) sich die Grenze befindet fordert aber nochmal alles von uns. Starker Sturm, natürlich von vorn, etwas weiter oben dann Schneegestöber. Die Straße ist extrem steil und zudem wie schon so oft seeeeehr schlecht. Schotter, Sand und Wellblechpiste wechseln sich ab. Wellblechpisten (Wellen im Sand so wie am Strand aber fest und holprig) sind uns bisher nur im Pamir begegnet. Wir hoffen sehr das damit in Kirgistan wieder Schluss ist. Es ist unglaublich anstrengend da drauf zu fahren und raubt einem den letzten Nerv.

 

Am Karakul See

 
Ausgepowert erreichen wir die spektakulärste Grenze unsere Reise. Begrüßt werden wir von einem Steinbockschädel – ein durchaus passendes Symbol für Reisende die aus dem Pamir kommen bzw. eine gute Warnung für Reisende die in der anderen Richtung unterwegs sind und den Pamir noch vor sich haben. Die Grenze ist ziemlich heruntergekommen. Prunkvolle Grenzgebäude gibt es nicht. Stattdessen sitzen die Grenzbeamten in alten, rostigen Containern.

Tadschikistan hat uns in jeder Hinsicht herausgefordert. Schlechte Straßenverhältnisse, Zeitdruck und Wetter haben uns (mich teilweise noch etwas mehr) an unsere Grenzen geführt. Um so glücklicher und auch ein kleines bisschen stolz sind wir den Pamir bezwungen zu haben. Oft war es ziemlich einsam, aber wo wir Menschen begegnet sind waren diese sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Die Landschaft ist einzigartig. Noch nie haben wir so etwas gesehen. Nachdem wir jetzt aber lange in karger Gegend unterwegs waren freue ich mich um so mehr auf die grünen Täler Kirgistans – Tim besteht allerdings weiter auf seinem eisigen Pik Lenin. 

Tadschikistan
Tadschikistan von Duschanbe nach Khorog
27. Juli 2015
0

Da es Tim in Usbekistan auch noch mit Magendarm erwischt hatte, mußten wir in Denau kurz vor der tadschikischen Grenze einen ungeplanten Pausentag eingelegt. Am 31.Mai ist Tim aber wieder soweit fit, dass die Fahrt weiter gehen kann. Von der Grenze trennen uns 38 km. Jetzt heißt es mal wieder „viel Spaß bei der fröhlichen Grenzprozedur“. Auf usbekischer Seite brauchen wir 2 Stunden (davon eine Stunde warten wegen Stromausfall) und angespannt geht es zum tadschikischen Grenzgebäude. Dort angekommen werden wir freundlich aus einem der Fenster begrüßt. Wir sind noch nicht von den Rädern gestiegen, da nimmt uns ein Mann die Reisepässe ab und reicht sie für uns durch das Fenster. Wir müssen kurz warten und werden in dieser Zeit in tadschikistan herzlich willkommen geheißen. Als man uns die Reisepässe zurück gibt dürfen wir direkt einreisen. Hinter der Schranke erwarten wir weitere Passkontrollen und eine gründliche Gepäckkontrolle. Aber da ist nichts. Wir sind kurz irritiert. Das war’s schon? Nur wenige Minuten an einer Grenze, keine komischen Fragen, keine Gepäckkontrolle, nur einmal den Reisepass vorzeigen….? Solche Grenzen haben wir schon lange nicht mehr erlebt. So gefallen sie uns, wenn es Sie denn schon geben muß (wovon wir in keiner Weise überzeugt sind).

Von der Grenze fahren wir direkt nach Duschanbe, wo wir bei Vero via Warmshowers unterkommen. Wie sich herausstellt ist Vero’s Haus ein wahres Paradis für Radreisende wo, wie es scheint, jeder beherbergt wird. Die Reisenden aus Usbekistan kommen mit einen ruinierten Magen, die Reisenden die aus dem Pamir kommen völlig geschafft von der zurückliegenden herausfordernden Etappe. Alle freuen sich also auf ein paar Tage Regeneration. Mit uns sind 13 andere Radreisende aus aller Welt (Belgien, Ungarn, England, Amerika, Südkorea, Pakistan, Irland) hier. Rege werden die unterschiedlichen Erfahrungen ausgetauscht, spannende Geschichten erzählt und Routeninformationen aus erster Hand eingeholt – eine tolle Atmosphäre. Wir verbringen vier Tage hier die wie im Flug vergehen. Zeit zum Nichtstun gibt es so gut wie nie. Wir benötigen um den Pamirhighway befahren zu dürfen eine spezielle Genehmigung um in diese autonome Region (GBAO = Gorno-Badakhshan Autonomous Oblast) einreisen zu dürfen. Diese Genehmigung gilt es nun zu beantragen. Ausserdem werden die Räder werden gewartet. Dabei entdeckt Tim eine gebrochene Speiche an seinem Hinterrad die zum Glück einfach getauscht werden kann. Danke Sven, dass du uns in letzter Minute einen Satz Speichen zugesteckt hast!

Und es wird mal wieder aussortiert. Es kommen tatsächlich 11 kg zusammen die per Post nach Hause geschickt werden sollen. Verrückt, wir hatten doch schon einmal eine Aktion gestartet alles Unnötige auszusortieren. Da haben wir wohl was übersehen. Wir fahren damit zu DHL. Die wollen 280 Dollar haben. Puh. Davon können wir hier einen Monat gut Leben. Wir entscheiden uns gegen DHL…

Einen Tag vor unserer Weiterfahrt bringen wir unser Paket (eine voll bepackte Radtasche) zur Post. Das aufgeben des Paketes dauert  Ewigkeiten. Es gibt tatsächlich noch ein Postamt (übrigens heisst es in Tadschikistan auch почтамт = Postamt) welches komplett ohne Computer auskommt. Als erstes muss sieben mal der selbe sehr komplizierte Zettel von uns ausgefüllt werden, dann müssen wir die Tasche nochmal auspacken weil die Postbeamtin sehen will was drin ist. Am Ende fragt die Dame von der Post immer wieder wie die Adresse zu verstehen ist, sie muss diese schließlich auf das Paket schreiben, welches sie vorher noch einpacken muss. Die latainische Schrift sitzt bei ihr nicht so gut, deshalb macht sie ständig alles falsch und spricht auch alles falsch. P=R, B=V usw.. . Ausserdem kann sie nicht erkennen was Strasse und was Stadt sein soll und obwohl Tim mit Händen und Füssen in der Luft rotiert geht alles durcheinander. Plötzlich behauptet die Dame dass nun alles klar sei und wir gehen sollen. Mürbe folgen wir der Bitte. Als wir die Post verlassen steht unsere Radtasche noch so auf der Waage in mitten des chaotischen, unleserlichen Zettelwustes wie wir sie raufgestellt haben. Na, ob das Paket jemals ankommt? Wir haben wenig Hoffnung. Wenigstens kostet es ’nur‘ 70 Dollar.

4. Juni – wir verlassen wir Duschanbe. Zum Warmwerden geht es erstmal 500 Höhenmeter bergauf. Eigentlich nicht so wild. Es sind allerdings 39°C und so kommt man doch schnell ins Schwitzen. Das Warmwerden geht also recht schnell.

Stausee bei Nukus

An die Hitze gewöhnen wir uns allmählich. Täglich fahren wir mehrere 100 Höhenmeter bei zwischen 37°C – 45°C Thermometeranzeige. Einmal steigt die Temperatur sogar auf 50,2°C, irgendwie haben wir es überlebt.

Bei der Hitze und Anstrengung nimmt man jede Abkühlung mit. Am Wegesrand sehen wir ein paar Frauen an einer Wasserstelle ihre Kanister auf füllen. Natürlich halten wir sofort an. Vorsichtig fragen wir ob wir uns kurz erfrischen dürfen und beginnen dann Gesicht und Hände zu waschen. Eine kleine Omi denkt sich dass das bei den Temperaturen absolut unzureichend ist und beginnt ohne zu fragen laut lachend Einem nach dem Anderen ihren Wasserkanister über dem Kopf zu kippen. Eine großartige Erfrischung. Die anschließende Einladung zum Tee können wir leider nicht annehmen, wir müssen noch ein paar Kilometer fahren.

 

Unverhoffte Dusche

Eine andere Einladung erhalten wir von einem vorbeifahrenden Autofahrer in einer kleinen Stadt. Es ist genau 12 Uhr und die Einladung zum Mittag passt perfekt. Gerne fliehen wir vor der Mittagshitze und fahren dem Auto für einige 100 Meter hinterher. Dann wird für uns in einem Garten, im Schatten eines Baumes ein Tisch gedeckt : Saft, Cola, Tee, getrocknete Früchte und Bonnons. Außerdem gibt es das Nationalgericht Shaka-rob (Zucker und Wasser). Shaka-rob, eine Art Joghurtsuppe mit Kräutern in die man frisches Brot bröselt, ist das perfekte Essen für warme Tage. Sehr lecker!

Shaka-rob im Schatten – Lecker!

 

7. Juni – wir meistern unsere erste Passstrasse. Von 670m geht es auf 2000m. Es ist mal wieder heiß, 37°-39°C und die Straße wird immer steiler und schlechter. Nach fünf Stunden Dauerschwitzen haben wir es geschafft – erstmal Durchatmen. Auf 2000m ist die Luft nun auch endlich etwas kühler.

Wenn es bergauf geht muss es ja irgendwann auch wieder bergab gehen – so meine Motivation immer bei Etappen wie dieser. Heute ist die Abfahrt aber fast ebenso anstrengend und zeitaufwändig wie der Aufstieg. Ich hab noch nie so viel bei einer Abfahrt gebremst wie heute. Die Straße ist in einem grandios schlechtem Zustand. Sand, Schotter und Geröll. Den ganzen Tag kein LKW in Sicht, aber jetzt wo es so schön staubig ist kommt ein Lastwagen nach dem Nächsten und wirbelt soviel Staub auf das wir kaum sehen können. Die Landschaft entschädigt aber mal wieder für alles, einfach fantastisch. Zum ersten Mal werfen wir einen Blick auf den Panjifluss und das gegenüberliegende Afghanistan mit seinen schönen Bergen. Von nun an führt unsere Route entlang an diesem Grenzfluss.


Radfahren und Zelten mit Blick auf Afghanistan. Manchmal ist der Panji so schmal das man fast drüber springen kann. Jedenfalls liegt Afghanistan teils nur einen Steinwurf weit entfernt (hat Tim erfolgreich getestet). Eine unsere Pausen verbringen wir auf einer Mauer sitzend, auf die andere Flussseite schauend. Gegenüber liegt eines dieser abgeschiedenen, kleinen afghanischen Dörfer die wir immer wieder sehen. Hinter dem Dorf eine hohe, steile Bergkette. Die eine Straße die am Fluss entlangläuft und die Dörfer miteinander verbindet ist schmal und oft noch durch Steinrutsche blockiert oder abgerutscht und nur noch ein Klettersteig. Ein Auto kommt da nicht lang. Es ist aber keinesfalls menschenleer. Mal sehen wir einen Reiter auf einem Esel, mal Fussgänger und ab und zu einen Mopedfahrer (wobei völlig unklar ist, wie die da fahren können). Uns gegenüber haben sich inzwischen einige Kinder versammelt die eben noch am Fluss gespielt haben. Wir winken. Die Kinder winken zurück. Die Kinder rufen, wir rufen zurück. Wir machen eine Bewegung, starten eine kleine Laolawelle und alles wird auf der genüberliegenden Seite nachgeahmt. Schließlich tanzen wir alle und es wird sehr viel gelacht. Für uns ist dies ein sehr besonderer, emotionaler  Moment. Wir freuen uns mit den Kindern auf einfache Weise zu kommunizieren und spaß machen zu können. Gleichzeitig gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Alles wirkt so friedlich, kaum vorstellbar wie es wenige Kilometer von hier, hinter den Bergen aussehen mag. Was hat jahrelanger Krieg angerichtet? Sind die Familien hier hinter den Bergen vielleicht verschont geblieben? Welche Perspektive haben diese Kinder? Wie lange können sie noch so fröhlich sein?

 

Der Panji, wilder Grenzfluss zu Afganistan

Eigentlich dachten wir nach Usbekistan und den dort durchgemachten Magen – Darm – Infekten wir sind mit dem Thema kranksein durch und gegen „alles“ immun. Leider haben wir uns da getäuscht. Bereits gestern ging es Tim nicht besonders gut, aber irgendwie haben wir doch ein paar Kilometer geschaft und uns frühzeitig einen Platz für die Nacht gesucht. Heute geht es Tim leider nicht besser. Wir kommen erst spät los und dann auch nur langsam vorwärts. Im nächstem Dorf, nach nur 12 Kilometern ist Tim nicht mehr in Lage weiter zu fahren. Wir halten und entschließen uns hier zu bleiben und fragen in einem kleinem Restaurant ob wir die Nacht dort verbringen dürfen. Alles, wie schon so oft auf unserer Reise natürlich kein Problem.

Seit ein paar Tagen fahren wir gemeinsam mit Amer einem UK / Pakistani, der für Hilfsprojekte radelt (mwtrust.com). Vielleicht ist er der Erste und Einzige Radreisende der im Pamir ohne eigenes Zelt, Isomatte und Kocher unterwegs ist. Verrückter Typ. Die Zeit mit ihm war bisher super toll und wir haben viel gelacht. Jetzt ist es einfach nur großartig das er da ist. Armer kümmert sich um uns wie ein Bruder. Tim fiebert hoch und verbringt den Tag mit schlafen.

 

Amer, grossartiger Typ!

Am nächsten Tag müssen wir uns von Armer verabschieden. Er muss seine Reise fortsetzten. Tim verbringt auch diesen Tag mit schlafen. Ich sitze mit sämtlichen Gepäck an der Straße und halte jeden vorbeikommenden LKW oder Pickup an. Wir wollen versuchen irgendwie per Anhalter in die nächst größere Stadt von hier (Khorog, in 200 km) zu kommen. Fieber bis 40°C und Magen – Darm ist irgendwie doch beunruhigend wenn man so weit ab vom Schuss ist wie wir gerade sind. Hier ist wirklich das Ende der Welt. Der Inhaber des Restaurants kümmert sich besorgt um uns. Tim wird mit bitteren Kräutern versorgt die Wunder wirken sollen. Jedesmal wenn ich einen LKW stoppe (pro Stunde kommt vielleicht einer vorbei) kommt der Wirt rausgelaufen und hilft mir die Lage zu erklären. Leider bin ich ohne Erfolg und so verbringen wir eine weitere Nacht im Restaurant.

12. Juni – mit dem LKW nach Khorg!

Nachdem wir gestern vom Restaurant aufgebrochen sind und mit Mühe und Not und vielen Pausen 30 km geschafft haben (Tim ist permanent sehr schwindelig), starten wir heute den zweiten Versuch zu hitchhiken. Wir sind glücklich als nach stundenlangen warten endlich ein Armeetruck hält. Zum Glück sind ein paar starke Jungs da die auch mitfahren, so dass die Räder samt Gepäck auf die Ladefläche gehievt werden. Unsere Freude ist nur von kurzer Dauer. Nach 5 km hält der Truck und hat scheinbar sein Ziel erreicht. Alle wieder aussteigen! Wir setzten uns also wieder auf die Räder und versuchen erneut selbst zufahren. Jetzt hört auch noch der Asphalt auf und die Straße wird schlechter und schlechter. Der arme, immer noch sehr schwache Tim schlägt sich tapfer vorwärts. Schlagloch – Schotterpiste mit anhaltend heftigen Bauchschmerzen ist einfach eine besonders blöde Kombination. Wir machen gerade mal wieder eine Pause, da sehen wir einen LKW kommen. Unsere Chance? Der Fahrer winkt uns freundlich zu, das sieht gut aus. Schnell spring ich auf und fordere ihn zum Anhalten auf. Und endlich, endlich haben wir Glück. Der nette chinesische Fahrer hilft uns die Räder auf der Ladefläche so gut es geht zu vertauen und dann geht es auf in Richtung Khorog.

 

Ob das hält?

Der Lkwfahrer fährt bis 18:00 Uhr, dann wird für die Nacht gehalten. Wir dürfen unsere Zelt neben dem LKW aufbauen und am nächsten Morgen weiter mitfahren.

Die Nacht haben wir gut überstanden. Das war angesichts des starken Sturmes, den im steinigen Boden nur minimal versenkten Heringen und dazu von einem Hang herunterrieselnden Steinchen nicht unbedingt zu erwarten. Irgendwie ist der Wurm drin und will auch nicht so recht verschwinden. Das Frühstück am Morgen fällt aus da der Kocher versagt. Für jeden gibt es stattdessen ein paar trockene Armeekeckse. Statt wie abgemacht Weiterfahrt um 08:00 Uhr sitzt der Fahrer ab 06:00 Uhr hinter dem Steuer und läßt schon mal den Motor laufen. In Windeseile wird alles zusammen gepackt. Wir wollen den Fahrer nicht mehr Umstände als sowieso schon machen.

Ich nehme meinen Platz auf zwei Plastikeimern zwischen den Fahrer – und Beifahrersitz platz und weiter geht die Fahrt. Die Straße ist in einem katastrophalen Zustand. Wir fragen uns ernsthaft ob Fahrradfahren oder Beifahrer in einem LKW zu sein die größere Herausforderung ist. Für unsere Räder ist es definitiv die Fahrt auf dem LKW. Zwei mal müssen wir halten da die Seile mit denen die Räder befestigt waren gerissen sind und alles durcheinander geflogen ist. Nach beschwerlicher Fahrt und bangen um unsere Räder erreichen wir am späten Nachmittag Khorog. Unser chinesischer Fahrer möchte keinen Cent von uns für die viele Mühe die er mit uns hatte annehmen. Also verabschieden wir uns einfach mit einem herzlichen Dank.

 

Der freundliche Herr mit dem Popelfänger heisst uns herzlich willkommen

 

Wie glücklich sind wir nach wenigen Kilometern das Guesthouse Laalmo zu erreichen. Hier können wir erstmal in Ruhe regenerieren. Die Räder haben die unsanfte Fahrt ziemlich gut überstanden. Vielleicht hat der flexible Bambus den Ein oder Anderen Stoß abgefangen. Es ist lediglich ein Reflektor und ein Teil vom Schutzblech abgebrochen, das Kabel von der Gangschaltung ist bedenklich abgeknickt – kann aber leicht wieder fixiert und stabilisiert werden. Sämtliche Schrauben haben sich durch das Gerüttel gelockert und müssen festgezogen werden, das ist aber auch kein Problem. Blöd ist, dass einige der eigentlich fast unzerstörbaren Ortlieb Taschen nun Löcher haben. Egal, da kommt Panzertape rauf, Regen gibts eh erst wieder in Deutschland.

Jetzt ruhen wir uns erstmal aus, dann bringen wir alles wieder auf Vordermann und dann sind wir hoffentlich bereit für die viertausender Pässe auf dem Dach der Welt, dem wilden Pamir.

Usbekistan
Usbekistan
25. Juli 2015
0

Am 14.Mai ist es soweit: Wir stehen mal wieder vor einer Grenze. „Welcome to Uzbekistan“ werden wir von einem Soldaten freundlich begrüßt. Anders als wir von anderen Reisenden gehört haben sind alle Grenzbeamten sehr freundlich und hilfsbereit wie z.B. beim Ausfüllen des Deklarationszettels, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Auch müssen wir nicht sämtliche Taschen auspacken sondern nur zum Durchleuchten auf das Förderband legen. Nach der zwei stündigen Grenzprozedur kann die Fahrt endlich weiter gehen.
Am 15. Mai erreichen wir Buchara. Nachdem eine anstrengende Etappe hinter uns liegt (Turkmenistan: 550km in 5 Tagen, teilweise Radfahren bei 47,5°C) freuen wir uns hier ein paar Tage regenerieren zu können. Wie sich herausstellt der perfekte Ort für eine Pause. Wir kommen im Sarrafon Guesthouse unter. Das Guesthouse ist in einer kleinen Seitengasse direkt in der Altstadt gelegen. Die Besitzer sind sehr freundlich und hilfsbereit – wir fühlen uns super wohl und genießen es besonders in dem ruhigen, gemütlichen Innenhof zu entspannen. Überhaupt ist die ganze Stadt trotz Tourismus und teilweise bunten Treibens eher ruhig und fast ein wenig verschlafen. Über den Bazar schlendernd gibt es genug Möglichkeiten mit den Verkäufern und Handwerkern ins Gespräch zu kommen ohne am Ende zum Kauf gedrängt zu werden. Wir sind eigentlich nicht so die Stadtmenschen, in Buchara haben wir uns aber fast ein bisschen verliebt.

  
Da wir uns in Buchara Zeit genommen haben, orientalischen Flair zu schnuppern entscheiden wir uns gegen den Umweg über Samarkand ä. Wahrscheinlich sind wir da eine Ausnahme unter den Usbekistanreisenden und womöglich stoßen wir bei dem Ein oder Anderen auf pures Unverständnis. „Das muss man doch gesehen haben“….Tim und ich sind mit unserem Entschluss aber sehr zufrieden und genießen die Aussicht auf 10 Tage gemütliches Reisen und genug Zeit jeder Begegnung jenseits des Tourismus nachgehen zu können.
Die Usbeken sind unglaublich nette, fröhliche, hilfsbereite und gastfreundliche Leute. Bei all ihrem Interesse an Touristen waren sie trotzdem eine gewisse Distanz und lassen einem genügend Freiraum. Eine perfekte Mischung.
In Usbekistan wird viel Radgefahren. Das ist wahrscheinlich der Grund weshalb unsere Bambusräder hier ganz besondere Aufmerksamkeit genießen. Sobald wir irgendwo Halt machen dauert es nicht lange bis das Rad mehreren prüfenden Blicken unterworfen wird. Jeder beklopft den Rahmen, drückt an den Reifen herum und bestaunt die Rohloff Gangschaltung. Dann folgt meist ein Fachsimpeln unter den umstehenden Leuten welches wir leider nicht verstehen können. Aber wir sehen das ihnen unsere Räder besonders gut gefallen. Natürlich wollen fast alle den Preis dafür wissen. Zum Glück können wir ihnen erklären das wir gesponsort sind und den Preis nicht wissen. Der vermutliche Preis wäre sicher deutlich ausserhalb jeden Verständnisses. Ein anderer Radler sagte mal das sein Rad 700 Dollar kosten würde – sehr doll untertrieben. Da gab es ein grosses Hallo! Ein gut erhaltener Lada soll wohl um die 300 Dollar kosten – wie kann dann ein Rad ein vielfaches davon kosten?

  
  
Selbstverständlich werden auch die Handys gezückt um ein oder doch besser gleich mehrere Fotos von den Rädern zu schießen. Hier und da haben wir auch den Wunsch erfüllen können eine Proberunde auf dem bepacktem Fahrrad zu drehen. Wenn dann manch einer versucht wie gewöhnlich mit einem Fuß auf der Pedale Anschwung zu nehmen um dann das andere Bein über den Sattel zu schwingen und im nächsten Moment bedenklich anfängt zu schwanken merkt man doch das man leicht angespannt ist. Es ist aber zum Glück immer alles gut gegangen und jeder ist mit einem breitem Grinsen im Gesicht vom Rad gestiegen.
Als wir am 22. Mai kurz vor Guzor bei einem kleinen Minimarkt halten um uns mit kühlen Getränken zu erfrischen, werden wir von Tolik angesprochen. Bisher haben wir, bis auf in Buchara, niemanden getroffen der englisch spricht. Daher freuen wir uns um so mehr in Tolik einen super netten jungen Mann kennen zu lernen der gut englisch sprechen kann. Inzwischen hat sich mal wieder eine Traube um uns gebildet und Tolik hat alle Hände voll zu tun, für alle zu übersetzten. Es ist früher Nachmittag und es scheint gerade Schulschluss zu sein. Neben den Erwachsenen, die sich bereits um uns versammelt haben, kommen jetzt noch viele neugierige Kinder dazu. Im Gegensatz zu den Erwachsenen brauchen diese aber keinen Dolmetscher. Drei Worte auf englisch und ansonsten Zeichensprache tun es auch. Nach einer Stunde fröhlichem Beisammenseins erhalten wir eine überraschende Einladung: Abbos lädt uns ein den Nachmittag und die Nacht im Haus seiner Familie zu verbringen.
Die Einladung nehmen wir sehr gerne an und so werden wir wenige Minuten später bei Familie Aka herzlich willkommen geheißen. Abbos lebt hier zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn, seinen Eltern und seinen Geschwistern. Für uns wird der Tisch bzw. die Decke auf dem Boden mal wieder reich gedeckt. Wasser, Tee, Cola und verschiedenstes Gebäck und Nüsse. Vor dem Abendessen werden wir zu einer kleinen „Stadtrundfahrt“ im Kleinbus des Vaters eingeladen. Die ganze Familie ist natürlich mit dabei.

  
Als wir zurück sind geht es daran das Abendessen zuzubereiten. Es gibt das Nationalgericht „Plov“. Tim und mir wird Schritt für Schritt gezeigt wie genau Plov gemacht wird. Wie es scheint ist die ganze Familie involviert. Die Frauen haben die Vorbereitungen erledigt und Zutat für Zutat wird dem Vater gebracht, der am selbst gebastelten Ofen (eine alte Tonne wurde umfunktioniert) steht und diese nun verarbeitet. Komisch, sobald offenes Feuer oder Glut in Sicht ist fühlt sich „der Mann“ berufen zu kochen. Aus sämtlichen Vorbereitungen und dem Abwasch hält er sich schön raus. Das scheint wohl fast auf der ganzen Welt gleich zu sein…
Ein Sohn ist damit beschäftigt, Äste in die richtige Größe zu brechen und das Feuer in Gang zuhalten und auch der kleine 2 Jahre alte Enkel ist dabei und schaut sich wahrscheinlich schon das ein oder andere ab. Wir verbringen einen wunderschönen Tag mit Familie Aka und sind mal wieder von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft gerührt, die uns als Fremden geschenkt wird. Abbos Schwester heiratet in einer Woche und es wird alles versucht uns dazu zu bewegen, bis dahin dazubleiben um dann bei der Hochzeit dabei sein zu können. Wie gerne hätten wir auch diese Einladung angenommen! Abbos Schwester nimmt mich mit in ihr Zimmer welches bereits mit Geschenken (Mitgift) ihrer Eltern zugebaut ist. Dort zeigt sie mir ihr traditionelles Kleid, welches sie an ihrer Hochzeit tragen wird. Ich soll es unbedingt überziehen. So verwandle ich mich für einige Minuten in „Uzbek Karrrina“ und sorge für ein großes Gegacker. Jeder will mal die „Uzbek Karrrina“ sehen. Wir haben Familie Aka sehr ins Herz geschlossen. Hoffentlich können wir uns einmal wieder sehen.

  
Ich glaub irgendwann hab ich das schon mal erwähnt: Cola ist für Radreisende wie Benzin fürs Auto. Je heißer es ist oder je anstrengender die Etappe desto größer wird der Wunsch nach einer kalten Cola. Inzwischen sind wir was das Erkennen von kleinen Läden angeht geübt. Wenn irgendwo im Nirwana eine Gefriertruhe rumsteht oder ein Tisch mit ein paar Getränkeflaschen drauf stehend erspäht wird ist das ein gutes Zeichen. Ebenso ein Haus oder eine kleine Holzhütte wo die Tür oder ein Fenster aufsteht und davor ein paar Flaschen stehen sind ein gerade zu sicheres Zeichen an ein Getränk zukommen. Für eine Cola braucht man dann noch etwas Glück und für eine kaltes Getränk noch etwas mehr Glück. Als wir heute bei einem dieser kleinen Läden einkehren kommen wir mit den Ladenbesitzern ins Gespräch. Naja, Gespräch ist übertrieben aber irgendwie Verständigen wir uns mit Händen und Füßen, schauen gemeinsam unsere Fotos an und verbringen eine gemütliche Pause in dem kleinen Laden. Zum Abschied bekomme ich von der Frau als Erinnerung an sie und an Usbekistan ein farbenfrohes Kopftuch geschenkt. Wow! Wieder eine kleine aber doch so besondere Begegnung. Das Kopftuch trage ich jetzt immer als Sonnenschutz und stoße damit ständig auf große Freude und werde oft daraufhin angesprochen. Inzwischen hab ich festgestellt das es nicht einfach irgend ein Kopftuch ist, sondern ein usbekisches (oder auch tadschikisches) Kopftuch, welches die Frauen hier typischerweise tragen.  
Eines der schlimmsten Dinge die einem beim Zelten passieren können: Magendarminfekt. Leider hat es mich erwischt. Die halbe Nacht verbringe ich vor dem Zelt. Es ist kalt und alles unglaublich anstrengend und nervig. Am nächsten Morgen bin ich ziemlich gerädert ohne überhaupt auf dem Rad gesessen zuhaben. Am spätem Vormittag brechen wir trotzdem auf. Mein Magen und Darm haben sich zwar beruhigt trotzdem fühle ich mich sehr schwach. Boyson unser Ziel für heute liegt nur 35km entfernt. Trotzdem wird es für mich eine der anstrengsten Etappen. Wie sich rausstellt ist heute unser absoluter Pechtag. Die bereits über viele Kilometer anhaltend katastrophalen Straßenverhälnisse haben Tims Rad zugesetzt. 12Km vor Boyson rutscht das Tretlager aus dem Rahmen. Der Versuch, das ganze mit einem Stein wieder zurück zu hämmern gelingt zwar, nach 500 Metern Fahrt ist das Tretlager aber wieder draußen. Also heißt es das erste Mal Hitchhiken. Ein LKW-Fahrer lässt Tim sein Rad einladen meint dann aber, als wir uns daran machen mein Rad einzuladen, er sei kein Taxi und ich könne nicht mit fahren. Die Ladefläche ist leer und uns ist das alles absolut unverständlich. Der Fahrer ist nicht dazu zu bewegen mich mitzunehmen und so fahre ich das erste Mal auf dieser Reise ein paar Kilometer allein. Heute kommt einfach alles zusammen… Tim berichtet später das der Fahrer ihn nach zehn Minuten Fahrt verwundert fragt was mit mir sei und warum ich nicht mitgekommen sei? Hä??? Manchmal versteht man die Welt nicht mehr. Zum Glück hält nach einiger Zeit ein Kleinbus vor mir ohne das ich gewunken oder sonst irgend ein Zeichen gegeben hätte. Der Fahrer bietet mir an mich mit zunehmen. Es ist kein Tag an dem ich lange überlege muss und so sitze ich wenig später samt Fahrrad in dem Kleinbus und werde bis Boyson mitgenommen wo Tim bereits an der Straße auf mich wartet. Der Fahrer schaut sich das Problemchen an Tims Rad an und ist nicht davon abzuhalten den Versuch zu starten es zu reparieren. So läuft er zum nächsten Haus, ist einige Zeit verschwunden und kommt dann etwas später mit ein paar Schweißdrähten zurück. Wieder wird das Tretlager zurück gehämmert und dann mit den Drähten fixiert. Der Fahrer freut sich uns vermeintlich geholfen zu haben und fährt davon. Wir freuen uns über die Hilfsbereitschaft und die Zeit die uns einfach so geschenkt wird, haben aber keine große Hoffnung das die Drahtkonstruktion lange halten wird. Anstatt für nur 500 Metern hält das Tretlager für 2 Kilometer Fahrt bevor es wieder rausrutscht. Genug für uns um bei einem Guesthouse anzukommen.
Die Zusammenarbeit mit unserem Sponsor myBoo läuft hervorragend. Die Jungs sind sofort zu erreichen und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite. Am nächsten Tag bekommen wir auch noch viele hilfreich Tips von Sven vom Fahrrad Center Harburg und wissen nun was zu tun ist. Unsere anfänglichen schlimmsten Befürchtungen sind verflogen und wir sind guten Mutes alles wieder repariert zu bekommen.
Boyson ist ein kleines, verschlafenes Städtchen und wir erwarten nicht die benötigten Gegenstände ( zwei Komponentenkleber und einen Kurbelabzieher)die wir für die Reparatur benötigen hier zu bekommen. Wir planen also damit uns per Taxi zur Tadschikischen Grenze bringen zu lassen und von dort irgendwie nach Dushanbe zukommen. Wenn man irgendwelchen exotischen Dinge benötigt dann sollten sie wohl in einer Hauptstadt zu finden sein. Aber es kommt alles anders. Wir haben bei unseren Überlegungen sowohl Boyson als auch die hilfsbereiten und kreativen Usbeken unterschätzt.

  
  
Im Internetcafe lernen wir Jasur, den Inhaber des kleinen Cafes kennen und werden von ihm zum Abendessen eingeladen. Jasur und seine Frau Guli sind sehr herzlich und wir fühlen uns sofort super wohl bei ihnen. Das fällt auch gar nicht schwer wenn man mit den Worten „my house is your house“ begrüßt wird. Jasur bietet uns sofort an uns mit dem Fahrrad zu helfen. Sein Freund ist Mechaniker und er ist überzeugt das es kein Problem gäbe und wir alles regeln könnten. Am nächsten Tag treffen wir uns mit Jasur und seinem Freund Shavkat. Die beiden investieren den halben Tag für uns und wir staunen nicht schlecht was in dem kleinem Boyson möglich ist. Als erstes geht es zum Werkzeug Bazar wo wir recht schnell den gesuchten Spezialkleber so wie einen passenden Maulschlüssel finden. Die Stahlbürste die wir benötigen um das Tretlager und dessen Fassung vor dem Kleben zu reinigen ist uns viel zu groß und schwer, aber Shavkat hat schon eine Lösung. Er ist kurze Zeit weg und kommt dann mit einer kleinen, leichten Stahlbürste wieder mit der man eigentlich einen Teppich bürstet. Der Kurbelabzieher ist wie zu erwarten war nicht aufzutreiben. Ein Problem? Nicht in Usbekistan. Das Fahrrad wird in den Kofferraum von Shavkata alten Lada geladen und es geht in die Werkstatt eines Metallschlossers mit einer CNC-Fräse. Der Schlosser und unser Mechanikerfreund schauen sich das Gewinde und den von uns mitgebrachten Ausdruck eines Kurbelabziehers an. Nach einer kurzen Beratschlagung der Beiden macht sich der Schlosser an die Arbeit. Wir staunen nicht schlecht wie er aus einem Stück Metall nach 20 Minuten Arbeit unser Werkzeug fertig gestellt hat. Das Werkzeug wird natürlich direkt vor Ort getestet. Es funktioniert!Wir sind begeistert und super glücklich. Nachdem wir den Schlosser für seine tolle Arbeit bezahlen dürfen (er möchte tatsächlich nur umgerechnet 2€ haben) geht es zu dem Haus von Shavkat. Bevor es an die Reparatur geht bekommen wir ein leckeres Mittagessen. Dann machen sich Tim und Shavkat an die Arbeit. Nach einer Stunde Gebastel sitzt das Tretlager wieder an Ort und Stelle und ist mit soviel Kleber fixiert das wir sicher sind das es den kommenden Herausforderungen erstmal Stand halten wird. Wenn nicht? Kein Problem, das passende Werkzeug haben wir jetzt und eine extra Tube Spezialkleber auch. Nochmal ein riesen Dank an myBoo und Sven für eure schnelle Hilfe und Unterstützung. Und natürlich ein herzliches Dankeschön an Jasur und Shavkat – unglaublich was ihr möglich gemacht habt! Ihr habt mit eurer ersten Einschätzung recht behalten: No Problem!

  
Am 29. Mai verlassen wir nicht wie kurzzeitig gedacht im Taxi, sondern auf unseren Bambusrädern sitzend Boyson und fahren Richtung Tadschikistan. Da es Tim nun leider auch noch mit Magendarm erwischt hat, legen wir einen ungeplanten Pausentag in Denau ein. Bei aller Begeisterung die wir für Usbekistan und seine großartigen Menschen entwickelt haben, das Essen hier hat uns im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen.
Nach unserem Pausentag geht es Tim zumindest wieder so gut das wir die Fahrt fortgesetzten können. Die flache Wüstenlandschaft lassen wir hinter uns. Langsam wird es hügelig. Es sind wohl die ersten Ausläufer vom Pamirgebirge. Am Horizont entdecken wir die ersten richtigen Berge. Tadschikistan in Sicht!