Mazedonien
Mazedonien – inkl. Video
29. Januar 2015
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Am 18. Dezember bei Sonnenuntergang erreichen wir die mazedonische Grenze. Beim fotografieren des sorgfältig getarnten Mazedonienschildes trete ich direkt in einen frischen Hundehaufen. Dabei hat sich das Land, indem etwas mehr Einwohner als in Hamburg wohnen, 2006 als minenfrei deklariert. Hmm.

Durch die Cleats ist es unmöglich das Zeugs wieder loszuwerden. Aber mittlerweile haben wir eine Lösung für alle Probleme unserer Reise. Das laute Aussprechen von „kein Probläääm“ ist unser Mantra geworden und funktioniert tatsächlich wunderbar. Aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser? – kein Problääääm. Die Finger frieren ab – kein Problääääm. Ich komme mit den Schuhen nicht in die Pedalrasten wegen Hundekot? – kein Problääääm, einfach ordentlich quetschen. Geht wirklich immer.


Molekül für Molekül werd ich den Mist schon wieder los.
Mittlerweile sind wir ziemlich fertig. Wir sind ja morgens bereits früh los um den 1500 Meter hohen Pass im Kosovo zu bezwingen und schon 7 Stunden auf dem Rad. Es ist stockdunkel, kalt und immer wieder erschrecken uns Hunde die plötzlich aus dem Gebüsch gesprungen kommen. Kein Probläääm – ich brülle sie einfach wie ein bescheuerter an. Teilweise lassen sie dann ab. Zumindest wird es nie gefährlich.

Nach über 100 km (Stolz!) kommen wir dann bei einem mazedonisch-holländischen Ehepaar in Skopje unter und werden grandios bekocht! Wir unterhalten uns recht lange und fühlen uns sehr wohl. Danke! Dabei lernen wir, dass Mazedonien eine der schwächsten Volkswirtschaften in Europa ist und enorme Arbeitslosigkeit herrscht. Nie hätte ich in Deutschland gedacht welche Armut und welche Probleme tatsächlich in Europa vorhanden sind. Jeden Tag nimmt mein Ärger über die ungerechte Verteilung von Besitz, Optionen und Zeit in der Welt zu. Leider. Einer der wenigen Punkte, denen mit „kein Probläääm“ nicht beizukommen ist.

Falls sich in Deutschland irgendjemand über einen kalten Winter beklagen sollte: Macht euch bewußt dass ihr zumeist ein isoliertes Haus, Zentralheizung, jederzeit heisses Wasser habt. Alle Räume egal ob Privat oder in der Firma werden auf konstanter, angenehmer Temperatur gehalten (um den Preis, dass minimale Abweichungen davon schon als unangenehm empfunden werden). Dafür bezahlt man im Verhältnis einen Witz.

Hier gibt es, wenn man tagsüber fleißig und mühsam Holz gesammelt hat, eine zeitlang einen warmen Ofen an einem Punkt im Haus. Der Rest schimmelt, wäre aus deutscher Sicht oft unbewohnbar. So erleben wir es auf unserer Reise bisher immer mehr als normal. Willkommen in einer Welt, in der Milliarden für die Erforschung der Lebensbedingungen auf dem Mars ausgegeben werden (man weiß jetzt: Da ist es wohl auch ungemütlich). Manchmal denke ich einfach nur: Wir sind doch komplette Idioten.

Zu den schönen Dingen: Karinas Schwester bekommt ihre Zwillinge. Hurra! Damit wird unsere Familie nun schon um drei Menschen reicher sein, wenn wir zurückkommen. Zurückkommen. Dies Wort ist noch für einige Monate tabu. Aber in diesen Tagen wären schon gern einmal wieder ein paar Stunden in Hamburg…

Weihnachten steht vor der Tür. Hier und da ist etwas Schmuck anzutreffen. Ansonsten bekommen wir nahezu nichts mit. Weit weg ist für uns dieser künstliche und für mich widerwärtige Kosumstress einer satten Welt. Und es ist etwas besonderes, einmal nicht mitzumachen. Allerdings so ganz stimmt es nicht. Schliesslich wartet in Thessaloniki ja ein besonderes Weihnachtsgeschenk auf uns.

Um pünktlich anzukommen fahren wir jeden Tag recht viel. Mazedonien ist landschaftlich ziemlich schön und zum Radfahren gut geeignet. Nur immer schön auf die viele Glasscherben aufpassen! Irgendwas im menschlichen Gehirn ist eigenartig verschaltet: Das Wegwerfen von Müll und das Zerdeppern von Flaschen scheint bei vielen Endorphin freizusetzen…

Schilder sind oft in Kyrillisch und Latein beschrieben. So können wir nach kurzer Zeit ordentlich Kyrillisch lesen. Ist übrigens gar nicht schwer. Fies ist nur, dass die gleichen Buchstaben teilweise ganz andere Lautwerte haben. Wenn man also fix drauf los liest, kommt meistens Murks bei raus. Beispiel: Wir folgen auf unserem Weg durch Mazedonien zumeist dem Fluss Вардар. B=V, p=r, д=d. Also ausgesprochen Vardar. Dabei hilft, dass ich irgendwann mal aus Spass das hebräische Alphabet gelernt hab und einiges ähnlich ist.
Mit einigen Erinnerungen an das Hebräische sowie dem frisch gewonnenen Kyrillisch ist es zum Griechischen nur ein Klacks.

Und schwups – haben uns die Bambusräder an die Grenze zu Griechenland katapultiert.

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Tim

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