Kosovo
Kosovo
12. Januar 2015
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Nach längerer Planung (prüfen der Landkarten, verfolgen der Wettervorhersagen, vielem Hin und Her und jeder Menge Warnungen verschiedener Leute, dass die Passstraßen zu dieser Jahreszeit womöglich nicht passierbar seien) steht der Entschluss: Wir verlassen in Albanien das Mittelmeer und fahren über den Kosovo nach Griechenland in Richtung Thessaloniki. Dort möchten wir die Weihnachtstage verbringen.
Bisher ist mein erster Gedanke wenn ich „Kosovo“ höre: Da war mal Krieg, man hat noch schreckliche Bilder und Geschichten im Gedächtnis. Ansonsten ist Kosovo (wieder) ein fremdes Land für uns.

Bereits in Albanien haben wir uns durch die Berge gekämpft und wurden ordentlich herausgefordert. Die letzte Etappe bis Kosovo hat es nochmal in sich. Die Anstrengungen werden aber immer wieder mit grandioser Aussicht auf die Berglandschaft belohnt. Unser Ziel ist ein Hostel in Prizren, in dem wir uns ein paar Tage von den vergangenen, doch ziemlich anstrengenden Tagen erholen wollen.

Das erste was uns im Kosovo auffällt: Überall hängen Albanienflaggen. Wie wir später erfahren sind 90% der Bevölkerung hier Albaner. Ansonsten, besonders am Stadtrand von Prizren viele kleine Holzbuden die mich irgendwie an Ghana erinnern. Und wieder abenteuerliche Verkabelungen aller Art über die sich Tim unverständlicherweise die ganze Zeit freut.

Prizren empfängt uns mit sehr diesiger und rauchiger Luft, was sich auch die nächsten Tage nicht ändern soll. Schade, denn auf Bildern, die wir uns im Internet anschauen, wirkt die Stadt bei blauem Himmel und mit Blick auf die Berge die sie umgeben doch nochmal anders.
Trotzdem, Prizren gefällt uns sehr. Es hat eine besondere Stimmung wenn man durch die Straßen schlendert. Die Muezzins, die von verschiedenen Moscheen im scheinbaren Wechselgesang zum Gebet rufen, geben Prizren etwas orientalisches. Wir finden dass es sehr schön klingt. Warum werden bei uns die Christen eigentlich nicht per Gesang in die Kirchen gerufen? Tim findet den Gesang jedenfalls viel angenehmer und kunstvoller als das teilweise penetrante Geläute in Deutschland.

Unser Aufenthalt in Prizren wird zwangsweise verlängert: Tim hat sich irgendwas eingefangen und liegt krank im Bett. Zum Glück befinden wir uns jetzt nicht im Zelt sondern im warmen und schönen Prizren City Hostel. Ein echter Tip!

Nach zwei Tagen ist aber zum Glück alles wieder in Ordnung und wir sind erholt für die letzte Etappe im Kosovo.
Wir suchen die Herausforderung: Vor uns liegen 1200 Höhenmeter und wir sind gespannt ob und wie wir diese meistern.
Es geht kontinuierlich bergauf und je höher wir kommen desto beeindruckender wird die Landschaft. Ich kann nicht fassen mit dem Fahrrad schon wieder in den Bergen unterwegs zu sein.
Während einer kurzen Verschnaufpause hält ein Auto neben uns. Der Fahrer kurbelt das Fenster runter und lädt uns ein, in ein naheliegendes Restaurant zu kommen um dort einen Kaffee mit ihm zu trinken. Die Einladung nehmen wir natürlich gerne an. Im Restaurant angekommen genießen wir einen heißen Kaffee und erzählen dabei unsere Geschichte. Dann erhalten wir noch ein paar Tipps von unserem Gastgeber, der als Outdoorguide in dieser Gegend arbeitet und sich daher bestens auskennt. Nachdem wir informiert sind, wie wir uns Bären und Wölfen gegenüber optimal verhalten, geht es weiter. Nach viereinhalb Stunden Fahrt erreichen wir die Scheitelhöhe auf 1550m. Wow, wir sind mega stolz.
Wir wärmen uns mit einem heißen Tee auf und bereiten uns dann für die Abfahrt in der Kälte vor. Eis und Kälte lassen die Abfahrt nochmal zur Herausforderung werden – aber wir kommen schnell und ohne Probleme voran.

Jetzt geht es Richtung Mazedonien. Gern hätten wir noch einen Abstecher über Serbien gemacht. Leider ist es aber nicht möglich über Kosovo nach Serbien einzureisen, da Serbien Kosovo nicht als unabhängigen Staat anerkennt sondern als seine autonome Provinz. Aus serbischer Sicht sind wir bereits in Serbien, haben aber keinen Einreisestempel. Wenn wir es richtig verstanden haben sind wir also aus serbischer Sicht illegal eingereist. Komische Welt.
Tim schreibt seinem Bruder Sebastian noch aus Spass eine SMS, dass wir über Weihnachten wohl in Thessaloniki sein werden und das er mit seiner Frau herzlich eingeladen ist. Einen Tag später kommt die Antwort: „Geht klar – Flüge sind gerade gebucht“. Tolle Überraschung, wir freuen uns total.

Nach vielen Kilometern durchs Gebirge freuen sich unsere Beine wieder auf etwas Erholung – es sieht so aus als wenn die Strecke durch Mazedonien überwiegend flach ist und darauf freuen wir uns…

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Karina

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