Georgien
Georgien – Von Batumi nach Tiflis
5. März 2015
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Am Freitag den 13. Februar (uuuhhh!) empfängt uns Gorgien mit fiesem Nieselregen und dichten Wolken. Die Grenze ist die größte die wir bisher passiert haben. Die Einreise erinnert eher an die Einreise über einen Flughafen. Die Grenzbeamten sind nett, stellen aber seltsame Fragen, die einen im ersten Moment verunsichern. Die Grenzbeamtin schaut in meinen Reisepass, stellt fest das ich Deutsche bin und fragt dann wo ich her komme. Ich muss kurz überlegen -aus Deutachland kann schließlich nicht gemeint sein, also antworte ich „from Turkey!“, was eigentlich selbstverständlich ist, da ich mich an der Grenze zwischen Türkei und Georgien befinde. Die Antwort ist auf jeden Fall richtig und auch die weiteren Fragen zu dem was sich in unseren Taschen befindet und Erläuterungen zu unserer Reiseapotheke scheinen zufriedenstellend beantwortet – wir dürfen ohne weitere Gepäckkontrollen einreisen.

Das futuristische Grenzgebäude

 

Wir sind wieder in einem neuem Land. Das erste was auffällt sind die spürbar schlechteren Straßenverhältnisse und Kirchen statt Morcheen. Es gibt wieder eine neue Schrift die sich komplett von dem unterscheidet was wir bisher gesehen und gelernt haben. Wir sind gespannt!

Batumi ist die erste Stadt die wir in Georgien anfahren, in ihr wollen wir einen Rasttag einlegen. Es ist der 13. Februar gegen Nachmittag als wir Batumi erreichen und wir stellen erst nach einiger Zeit mit erschrecken fest, das es auf unserer Uhr zwei Stunden später ist. Wir haben mal wieder eine Zeitzone überschritten und sind der Zeit in Deutschland inzwischen um drei Stunden vorraus. Vorteil der ganzen Sache: wir haben endlich mehr Zeit. Die Dämmerung beginnt erst ab 18:00 Uhr.

Nachdem wir die prunkvollen Gebäude in Batumi bewundert haben, von denen wie wir gehört haben das viele leer stehen (nur Prestigeobjekte irgendwelcher Politiker), planen wir gemeinsam mit Alessio und Binh die weiteren Etappen. Ziel ist Tiflis, wo wir erneut versuchen wollen das Iranvisum zu beantragen. Diesesmal sollten wir weiter kommen, da wir inzwischen eine Referenznummer über eine Agentur beantragt haben. Wir wären gerne einen Umweg durch den Großen Kaukasus gefahren, aber es ist Winter und wie wir erfahren sind die höheren Regionen tief verschneit, die Straßen teilweise gesperrt und dazu herschen Temperaturen zwischen -8°C und -20°C. Wir entscheiden uns also den Weg mit den wenigsten Höhen einzuschlagen. Von Batumi soll es über Poti gehen, wo wir uns mit einem perfektem Zeltplatz und einem schönen Feuer vom Schwarzen Meer verabschieden. Dann weiter Richtung Kutaissi und Gori bis in die Hauptstadt Tiflis, wo 1/3 der georgischen Bevölkerung lebt.

Das was in der Türkei der Çay war ist in Georgien der Chacha (Tschatscha) oder wie man auch sagen kann der georgische Wodka. Wir haben den Eindruck das jeder Haushalt selbst Chacha ansetzt sowie Wein produziert. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer berichtet ein netter Georgier das seine Familie 200 Liter Weißwein pro Jahr herstellt. Wir durften zwei Flaschen verkosten – super lecker. Bei einem Bummel über den bisher vielleicht tollsten Markt den ich gesehen habe (in Kutaissi) bekommen wir an einem Geröstetesonnenblumenkernestand (juhu, in der deutschen Sprache kann man im Zweifel alle Wörter aneinander hängen) zur Begrüßung einen Chacha eingeschenkt. An einem anderen Tag wird uns der Frühstückstisch gedeckt und wie selbstverständlich an jeden Platz ein Schnapsglas gestellt, dazu gleich eine ganze Flasche Chacha – puh, auf nüchternen Magen eine echte Herausforderung. Mit Händen und Füßen versuchen wir deutlich zu machen das wir heute noch vorhaben einige Kilometer auf dem Fahrrad zu radeln und das soviel Chacha da keine gute Idee wäre. Am Ende dürfen wir es bei einer Kostprobe belassen.

Chacha auf dem Markt in Kutaissi

Nach den ersten Tagen die wir in Georgien sind merken wir schnell: Es wird Zeit das wir etwas russisch lernen. Die Jüngeren sprechen meist etwas englisch, ansonsten ist hier aber eher russisch die Zweitsprache, die besonders von den älteren Menschen gesprochen und verstanden wird. Hier und da spricht aber auch mal jemand etwas Deutsch. Sowie ein Mann der Binh und mich anspricht während Alessio und Tim einkaufen sind. Binh spricht etwas russisch und erzählt, das ich aus Deutschland komme. Der Mann kommt zu mir und präsentiert mir stolz seine Deutschkenntnisse:„Eins, zwei, drrrei, vierrr, fünf, sechs. Es lebe der große Stalin!“. Aaaha!

„1,2,3 – es lebe der grosse Stalin“ – bei Gori

Auf den ersten Blick scheinen die Georgier zurückhaltend und eher ernste Menschen zu sein. Wir erfahren dann aber auch schnell ihre Lebensfreude und Gastfreundschaft wie z.B. in Kutassi, auf dem tollen Markt wo das Leben nur so tobt. Zwei Frauen sind dabei ein Feuer in Mitten ihres Standes zu entfachen und lachen so herzlich dabei, das es einfach ansteckend ist. Oder in einem Dorf, wo man uns erlaubt auf der Wiese hinter dem kleinen Supermarkt unsere Zelte aufzuschlagen, die Toilette zu benutzen und an einem Feuer zu kochen. Am Abend kommen dann die Ladenbesitzer und bieten uns an, in einen kleinem Raum neben dem Laden zu schlafen, draußen sei es zu kalt. Am nächsten Morgen bekommen wir zwei große Stücke Kuchen geschenkt und natürlich darf auch die Einladung auf einen Chacha nicht fehlen. Tim ist der einzige der es schafft den Gastgebern die Freude zu machen und schon am frühen Vormittag mit einem Glas Wodka anzustoßen.

Der Markt in Kutaissi ist, wie schon gesagt, ein Highlight. Es gibt einfach alles zu kaufen, sogar eine einzelne Rolle Klopapier – ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie wichtig das ist. Bei den Fleischständen hängen halbe Tiere am Fleischerhacken, man wird von einem Schweinekopf angeschaut und die Metzger zerteilen das Fleisch auf einem großen Baumstamm mittels einer riesigen Axt – Tim ist begeistert. An einem anderem Stand gibt es frischen, reinen georgischen Tabak. Wir bekommen eine Zigarette zum Proberauchen. An jeder Ecke herrscht eine andere Geräuschkulisse und die Gerüche ändern sich ständig. Bei den Gewürzständen duftet es besonders gut. Verschiedenste Gewürze liegen lose und offen in Dosen. Wir dürfen überall unsere Nase reinstecken und probieren. Dazu einfach den Finger anlecken und dann in die ein oder andere Gewürzmischung stecken – gar kein Problem!

Fast alle Nächte verbringen wir im Zelt.  Jeden Abend wärmen wir uns am Lagerfeuer während Alessio (er ist Koch) täglich ein anderes Gericht zaubert. Wir haben es unglaublich gut. An einem spätem Abend, wir sitzen gerade am Feuer, hält ein Polizeipickup neben uns. Ein mit einer Kalaschnikow bewaffneter Polizist steigt aus dem Wagen. Es folgen mindestens 10 Minuten Kommunikation von der wir aber nicht ein Wort verstehen. Wir haben keine Ahnung was das Problem sein könnte. Der Polizist telefoniert und etwas später hält ein zweites Auto aus dem eine Frau aussteigt. Die Frau wurde wohl gerufen um bei der Verständigung behilflich zu sein, was ihr aber leider nicht gelingt. Wir bleiben weiterhin Ahnungslos. Die ganze Situation ist irgendwie beunruhigend, 1000 Gedanken gehen einem durch den Kopf und gleichzeitig ist sie einfach nur absolut obstrus. Inzwischen wärmt sich der eine Polizist an unserem Feuer die Hände und legt auch immer wieder fleißig Holz nach. Plötzlich fragt die Frau ob sie ein Foto von uns machen könne. Nein, eigentlich sagt sie „Facebook! Facebook!“ und zückt ihr Handy. Also machen wir ein schönes Gruppenfoto im Scheinwerferlicht des Autos und erst jetzt fällt mir auf das die Frau rote Plüschhausschuhe mit rosa Herzchen an hat. Spätestens jetzt ist der letzte Funke von Sorge verflogen. Wenn die ein Foto von uns wollen, möchten wir natürlich auch eines schießen. Tim legt die Kamara auf die Motorhaube, bittet den Polizisten seine Kalaschnikow ins Bild zu rücken und drückt den Selbstauslöser. Nach der kleinen Fotosession verabschieden sich die Polizisten, düsen mit kurz eingeschalteter Sirene davon und auch die Frau verabschiedet sich und fährt wieder ab. Eine rätselhafte Aktion.

Karina reinigt die in den Matsch gefallenen Frikadellen

Der „kleine“ Kaukasus

Pannenhilfe

Unser lieber Zeltnachbar

Seeeehr alte Malereien

„Supermarkt“ auf dem Land

 

Fischverkauf am Strassenrand

Nach vielen sonnigen Tagen holt uns jetzt aber leider der Regen ein. Das Zelt wird nass und schwer eingepackt und ebenso am Abend wieder aufgestellt. Für mich zu Beginn der Reise ein unerträglicher Gedanke, der sich in der Praxis aber weniger dramatisch anfühlt. Immerhin ist und bleibt es im Zelt trocken und so können wir jeden Abend in ein vor dem Wetter geschützes „Bett“ kriechen. Unser Weg führt zwischenzeitlich auf 900 Höhenmeter. Hier wird der Regen zu Schnee und das nass aufgestellte Zelt friert in kurzer Zeit ein. Nachdem wir es mit etwas Mühe schaffen den eingefrorenen Reisverschluss zu öffnen können wir aber wieder in unser sicheres Lager kriechen. Nach ein paar Tagen dieser Art, in dem der Sifffaktor langsam aber stetig steigt freuen wir uns um so mehr am 22. Februar in Tiflis anzukommen. Auf uns warten ein paar Tage Pause.

Pause? Naja, mehr oder weniger. Inzwischen haben wir bereits zum drittenmal die iranische Botschaft besucht und das Visum ist immer noch nicht beantragt. Mal sehen wieviel Besuche wir der Botschaft noch abstatten müssen. Immerhin sind wir jetzt schon mal im Besitz der Antragsformulare und um die Erfahrung reicher was es bedeutet bei all den Visaangelegenheiten „Nerven aus Stahlseilen“ zu brauchen. Meine sind noch nicht ganz aus Stahl, aber ich arbeite dran. Es vergehen Tage an denen wir nur zur Botschaft fahren und ansonsten den Tag auf dem Hotelzimmer verbringen – und Bloggen… An Tag 6 in Tifilis machen wir dann endlich etwas Sightseeing. Wobei das bei uns immer etwas anders ausschaut. Wenn Tim den Weg vorgibt geht es die meiste Zeit durch abseits gelegene Trampelfade und Gestrüp. Am Ende bekommen wir aber doch noch einen kleinen ersten Eindruck von der Stadt. Eine Stadt von Gegensätzen. Teilweise prunkvolle Bauten und von der Ferne sieht die Stadt in mitten von Hügeln mit ihren vielen bunten Häusern, dem Fluss und den Kirchen sehr schön aus. Wenn man aber durch die Straßen schlendert ist das Bild eher von kaputten und mehr als baufälligen Häusern geprägt.

Wir hoffen das wir nicht mehr lange durch Visaangelegenheiten aufgehalten werden und bald wieder auf den Rädern sitzen können. Von hier werden sich die Wege von Allessio und Binh und uns wieder trennen. Vielen Dank euch beiden für die unvergessliche Zeit mit euch! Viel Freude und Segen bei eurer Weiterreise. Vielleicht sehen wir uns in Teheran wieder…  Unser nächstes Ziel lautet aber erstmal „Armenien“.

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