Österreich
Erste Herausforderung für Rad und Zelt
7. November 2014
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Am 25.10. geht unsere Reise nach einigen wunderschönen Tagen in Reit im Winkl weiter. Wir sind regeneriert und freuen uns, weiterfahren zu können. Tim hat noch zwei Teile bestellt auf die wir vergeblich gewartet haben. Allerdings treffen wir nach 500 Metern das Postauto und fragen den Fahrer, ob er die Päckchen dabei hat – hat er, perfekt! Wir freuen uns sehr.
Wir lassen Reit im Winkel bei bestem Wetter hinter uns und überqueren nach wenigen Kilometer unser erste Grenze: Österreich! Oft besucht und wunderschön. Diesmal aber mit dem Fahrrad. Ein bisschen Sorge haben wir, wenn wir zu den hohen Bergen schauen. Wie sollen wir hier bloss Radfahren? Ist Bambus stabil genug? Können die Bremsen unsere Ungetüme im Zaum halten?
Die Bremsen kommen schnell richtig zum Einsatz und es ist überhaupt keine Frage: Auf die ist Verlass! Dann war da immer noch die letzte Unsicherheit wie sich wohl so ein schwer bepacktes Bambusrad verhält, wenn es ordentlich bergab geht. Wird es unbefahrbar weil sich Schwingungen immer mehr aufschaukeln ? Wenn sich plötzlich der Untergrund ändert und der Weg holperig wird kann das schon mal passieren. Aber dies ist bei dem Gewicht normal, man will dann sowieso lieber nicht mehr so schnell fahren und bremst ab. Also, alles überhaupt kein Problem, im Gegenteil, wir sind von unseren Bambusrädern absolut überzeugt!
Nach Wörgl folgen wir zuerst dem Innradwanderweg in Richtung Innsbruck. Eine super Strecke um wieder rein zu kommen, schöner Asphalt und meist ohne Steigung. Bei Hall kurz vor Innsbruck endet jedoch die Schonfrist für Muskeln und Fahrrad, jetzt wird’s ernst – wir kommen auf die alte Römerstraße und bezwingen den Brenner in 2 Etappen. Stundenlang bergauf, teilweise ziemlich steil, gerade zu Beginn und am Ende. Es heißt strampeln im ersten Gang was das Zeug hält. Naja, Tim schiebt zwischendurch immer mal wieder, findet er irgendwie leichter bzw. wie er sagt: „Wer sein Rad liebt der schiebt.“ Tu ich auch, schieben ist für mich aber absolut keine Lösung, viel zu schwer, das geht immer nur kurz um eine Abwechslung in der Belastung zu haben. Insgesamt scheint sich aber schon einiges an unserer Beinkaft getan zu haben. Mittlerweile halten wir schon deutlich länger durch.

Das Wetter ist dabei super schön und wir genießen die ganze Zeit traumhafte Sicht auf die Berge. Tagsüber ist es in der Sonne richtig warm gefühlt teilweise um die 25 Grad. Die Luft bleibt jedoch kühl, um die 12 Grad, was man sofort merkt wenn man in den Schatten kommt. Abends und nachts wird es, seitdem wir in den Bergen sind, immer kälter. Wenn die Sonne gegen 17 Uhr untergeht sind meist schon nur noch 7 Grad.
Wir stellen meistens erst schnell das Zelt auf – inzwischen sitzt jeder Handgriff und jeder weiß was er zu tun hat, dann fangen wir an zu kochen. Alles wird feucht, die Luft ist klar und kalt um die 0 Grad, da schmeckt ein warmes Essen auch wenns fast jeden Abend Nudeln und Fleisch mit Tee gibt.
Dann heißt es ab ins Zelt. Inzwischen werden zum Schlafen die Socken anbehalten und der Schlafsack um ein Fleece-inlett erweitert. Man kriecht so weit in den Schlafsack und zieht die Kapuze zu, dass am Ende nur noch die Nase rausschaut – ab dann wird’s gemütlich, man spürt die kalte Luft die man einatmet, sieht den Dampf den man ausatmet, ließt noch ein bisschen (Tim steht gerade voll auf Heidi im Urtext und Mark Aurel – tolle Mischung) und hofft ansonsten das man bloß nicht mehr auf Klo muß. Nachts haben wir Minusgrade, trotzdem schlafen wir sehr gut und frieren nicht. Morgens sind Zelt und Räder mit Raureif bedeckt und die Reisverschlüsse des Zeltes eingefrohren. Jedesmal ist es eine Überwindung aus dem warmen Schlafsack zu kriechen und die kalten, klamm gewordenen Klamotten anzuziehen. Wenn man dann aber erstmal draußen ist und einen heissen Kaffee schlürft, ist alles schlagartig vergessen und es geht einem einfach gut. Wenn dann noch die Sonne die Wolken durchbricht oder hinter einem Berg hervorkommt, ist alles perfekt, es wird schlagartig wärmer, das Zelt trocknet im Nu und man ist voller Tatendrang.
Highlights neben der natürlich wunderschönen Berglandschaft sind die Begegnung mit Menschen. Kurz vor Innsbruck waren wir auf dem Campingplatz Mark bei Weer. Wir kommen im Dunkeln dort an, die Rezeption hat bereits geschlossen und wir haben gerade beschlossenen erstmal was zu Essen zu machen, da hält ein Auto neben uns – und die Marks, die Campingplatzbesitzer steigen aus. Nach einer kurzen Vorstellung unserseits folgt eine herzliche, überraschende Einladung, Frau Mark lädt uns ein, wir sollen ihre Gäste sein und bräuchten nichts bezahlen, ihre Liebe soll uns auf unserer Reise begleiten. Dann zeigt sie uns noch einen gemütlichen Platz, wo wir sitzen und kochen können, macht uns ein Licht an und sagt, so sei es doch viel gemütlicher. Am nächsten morgen kommen wir noch mit Herrn Mark ins Gespräch, auch ein sehr netter Mensch. Er erzählt u.a. lustige Geschichten von seinem Sohn, der mit Brad Pitt einige Szenen von „Sieben Jahre in Tibet“ als Bergführer in Tirol gedreht hat. Es gibt viel zu lachen und zu erzählen.
Wir quatschen so lange, dass wir am Ende erst gegen 12Uhr weiter kommen. Vielen, vielen Dank für eure Gastfreundschaft!
Am 29.10. kämpfen wir uns dann morgens die letzten steilen Kilometer bis 1386m den Brenner hinauf, dann haben wir unsere zweite Grenze erreicht: Italien!

 

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Karina

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