Deutschland
Berge in Sicht!
22. Oktober 2014
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Wie, so schnell?

Tim und ich haben uns durchs Mittelgebirge gekämpft und haben unsere untrainierten Beine ordentlich gefordert. Dabei kamen wir durch wunderschöne Gegenden. Besonders gut hat mir Melsungen und Rothenburg an der Fulda gefallen. Überall kleine Gassen und bunte, teils schiefe Häuschen. Immer wieder werden wir mit unseren bepackten Bambusrädern bestaunt, befragt und am Ende mit jeder Menge guter Wünsche verabschiedet. Auf einem kleinen Volksfest, wo wir die Räder durchs Getümmel schieben, wird Tim sogar heimlich aus der Hüfte fotografiert.

 

Praktisch steigungsfrei entlang der Fulda, so haben wir uns das ab jetzt vorgestellt. Naja…nur solange man sich nicht verfährt, was uns aber dummerweise passiert ist. Geplant war ein entspannter Tag, so knapp 40km, gemütlich am Fluss entlang, Ziel: Ein Campingplatz bei Hünfeld, kurz vor Fulda.

Geworden ist es mein bislang schlimmster Tag, abgesehen von dem Kaffee, den wir am Morgen von den Mielkes vors Zelt gestellt bekommen haben – das war großartig, vielen Dank dafür! Nach einem stärkendem und besonders gesunden Mittag bei Mc Donalds, stellten wir uns auf entspannte letzte 27 km ein. Wir sind dann leider zu lange dem Radwanderweg R1 gefolgt und mussten, als wir das feststellten nicht nur kilometermäßig einen großen Umweg nach Hünfeld nehmen, sondern auch was die Höhenmeter betrifft deutlich mehr leisten. Es ging auf und ab und wollte einfach kein Ende mehr nehmen. Übrigens: Falls irgendjemand noch Fragen zur Stabilität der Bambusräder bei 120 KG Gesamtgewicht hat – Tim ist einen Berg mit 55 km/h runtergekachelt. Das Rad war dabei absolut ruhig.

 

Als es dann noch einen steilen Waldweg hochging konnten die müden Beinchen nicht mehr, wir haben also begonnen die Räder zu schieben, was für mich aber noch viel anstrengender ist als zu fahren. Irgendwann am Abend erreichen wir ziemlich geschafft, nach 72Km den Campingplatz. Geschäfte gibt es nicht, die Restaurants haben geschlossen – Montag ist Ruhetag – wer denkt sich sowas aus? – ich habe einen riesen Hunger. Die Platzwärtin verkauft uns was sie vom Tag über hat: ein paar Bockwürste und Brot – puh, das war meine Rettung. In der warmen Küche essen wir erstmal, dann heißt es im Dunkeln das Zelt aufbauen. Wir genießen dann „stundenlang“ die heiße Dusche und kriechen anschließend müde in die Schlafsäcke. Zum Glück steht am nächsten Tag ein Ruhetag bevor, den unsere Beine nun wirklich gebrauchen können, meine Achillessehne schmerz irgendwie und knirscht und auch Tims Knie muckt rum.

Ruhetag: Nachdem wir mal wieder die Waschmaschine und den Trockner des Campingplatzes beansprucht haben, fahren wir mit der Bahn nach Fulda, die Räder konnten wir beim Campingplatz wegschließen. In Fulda werden einige Besorgungen erledigt und die kommenden Tage geplant. Abends treffen wir Tims Bruder Manuel, der zufällig geschäftlich in Fulda zu tun hat. Komisches Gefühl, wir sind seit zwei Wochen unterwegs, Manu steigt mittags ins Auto und am Abend treffen wir uns. Als erstes überreicht er jedem von uns eine bunt bemalte Tüte mit selbst gebackenen Keksen, die unsere Nichte und Neffe extra für uns gebacken haben – danke Julie und Mio, die Kekse waren super lecker, wir haben sie alle sofort aufgegessen – dann verbringen wir einen tollen Abend in der schönen Altstadt von Fulda.

Am nächsten Tag heißt es zum ersten Mal Bahnfahren. Wir haben uns dazu entschlossen, weil meine Achillessehne und Tims Knie trotz Ruhetag noch ziemlich schmerzen, die Muskeln am Limit sind und wir allgemein nicht so schnell vorangekommen sind wie geplant. Außerdem haben wir uns mit Tims Bruder Basti und dessen Frau Krissi sowie Bea und Christoph in Reit im Winkl verabredet und das Wetter soll von Samstag bis Montag perfekt werden. Also hilft alles nichts – es geht per Bahn nach München. Auch eine Erfahrung: Wer kommt auf die die Idee bei einem Waggon, der explizit für die Fahrradmitnahme gedacht, ist Treppen zu bauen, die über einen Meter senkrecht hochgehen? Tim und ich haben die Räder sowieso schon immer zu zweit getragen, bei so einem Waggon musste ich dann aber passen. Keine Chance. Zum Glück gibt es immer nette Menschen die mit anpacken. Vor ähnlichen Problemen standen wir im Hauptbahnhof Würzburg, wo es tatsächlich keinen Fahrstuhl gibt. Nach mehreren Stunden Zugfahrt und häufigen Umsteigen erreichen wir am Abend München, wo wir für eine Nacht auf einem Campingplatz unterkommen.

Jetzt also wieder Radeln. Ziel: Reit im Winkel in zwei Tagen. Kurz nach München sehen wir am Horizont die ersten Berge. Yeah, was für eine Motivation.

In der ersten Etappe fahren wir fast ohne Steigung knapp 80km bis wir in der Nähe von Flintsdorf eine wunderschöne Möglichkeit zum Wildcampen entdecken, direkt am Inn und natürlich mit Blick auf unsere geliebten Berge. Seitdem ich inzwischen gelernt habe, das wir eigentlich nicht wirklich „Campen“, sondern dass es sich bei uns eher um „Lagern“ handelt, was in Deutschland erlaubt sei, bin ich auch deutlich entspannter. Am Abend beginnt es wie angekündigt zu regnen, daher müssen wir unser Abendessen im Vorzelt kochen. Ist aber gar nicht schlimm. Im Gegenteil, wir machen Musik an und genießen unser kleines Abenteuer.

Am nächsten Tag ist die Etappe zwar kürzer, wir haben aber mit Dauerregen, Höhenmetern und teils ziemlichem Sturm zu kämpfen. Die bepackten Räder bieten dem Sturm hervorragende Angriffsflächen und führen bei mir zu dem ein oder anderen ungewolltem Schlenker. Nass und abgekämpft freuen wir uns, als wir in Reit im Winkel von Basti, Krissi, Bea und Christoph herzlich empfangen werden. Unserem gewaltigen Hunger wird im Dorfstadl mit einer ebenso gewaltigen wie leckeren Portion Schnitzel und Leberkäse abgeholfen.

Dann liegen ein paar super schöne Tage vor uns, mit genialem Wetter, tollen Klettersteigen, lecker Essen, gemütlichem Bett, warmer Dusche und lieben Freunden (mittlerweile ist auch Lotti eingetroffen). Wir können uns großartig erholen und Kraft für unsere nächste Etappe, die Alpen tanken. Voraussichtlich werden wir am nächsten Wochenende weiter reisen. Hoffentlich lässt der Winter noch etwas auf sich warten. Aktuell schneit es allerdings. Hmm…

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Karina

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