Albanien
Albanien – Durch das Land der Skipetaren
11. Januar 2015
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Albanien. Ein kleines und recht armes Land am Mittelmeer mit angeblich merkwürdigen Menschen. Religion: Islam. Das ist fast alles, was wir bis vor kurzem über dieses Land wussten.

Sehr gespannt passieren wir die Grenze – und haben das Gefühl, soeben Europa verlassen zu haben. Alles ist irgendwie anders. Es riecht anders, die Leute leben anders, Kirchen stehen in direkter Nachbarschaft zu Moscheen, Eselskarren und jede Menge alter Mopeds sind auf den Straßen unterwegs. Man sieht fast nur Männer. Elektrik und Verkabelung ist mehr als abenteuerlich. Kurz: Es ist alles einfach super spannend! Aber aufgrund der vielen Warnungen die wir bzgl. Albanien erhalten haben, gehe ich auf Defcon 3 und packe mein Pfefferspray griffbereit in die Hosentaschen. Am Ende eine total peinliche und unnötige Massnahme die hoffentlich niemand bemerkt hat.

Zunächst fahren wir nach Shkoder und sind überrascht, wieviel deutsche Flaggen wir sehen. Ausserdem ist „Germany“ an viele Hauswände geschmiert. Die erste Nacht kommen wir privat beim Couchsurfer Ezra unter. Ezra ist aus den USA und gehört zu den Peace Corps dessen Aufgabe es ist, das gegenseitige Verständnis zwischen den US-Amerikanern und den Nicht-US-Amerikanern in anderen Ländern zu beleben. Gute Sache! Auf die vielen Deutschlandflaggen angesprochen erklärt er uns, dass die Albanier Deutschland total super finden. Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft sind viele albanische Autokorsos tagelang mit deutschen Flaggen feiernd durch die Gegend geheizt als hätten die Albaner gewonnen. Auch heute noch haben viele Autos deutsche Flaggen gehisst, während bei uns das Thema Fussball längst wieder egal geworden ist (meiner Meinung nach zurecht). Eine Erkärung, woher diese Begeisterung stammt, erhalten wir nicht wirklich. Eine geäusserte Vermutung ist, dass die deutsche Nationalelf die erste ausländische Mannschaft war, die nach Albanien kam. Damals war Klinsmann Stürmer. Daher kommt auch der in Skhoder häufiger auftretende Vorname „Jürgen“. Leider habe ich nie eine albanische Mutter ihren Sohn streng „Jürgen“ rufen gehört. Wäre ja wohl der Knüller gewesen.


Am nächten Morgen geht es in die Berge und vor uns liegen ziemlich anstrengende Etappen mit jeder Menge Höhenmeter, Kälte und Wind. Der Wind ist bisher das gefährlichste was uns begegnet ist. Leider kommt der Wind fast den ganzen Tag mit voller Kraft von der Seite. Nicht regelmässig, so dass man sich drauf einstellen könnte sondern in starken Böen und sehr plötzlich z.B. hinter der nächsten Kurve beim Fahren der Serpentinen. Besonders oben auf einem Bergkam ist es für Karina besonders kritisch. Der Wind schiebt sie immer wieder an Strassenrand wo sie in die Eisen gehen muss um nicht den Hang hinunter zu stürzen – das ist wirklich nicht lustig. Karina schimpft die ganze Zeit vor sich hin. Irgendwann haben wir es dann geschafft.

Wir kommen im dunkeln in Pukë, unserem Tagesziel, an. Wir stehen planlos und total fertig vor einer Kneipe und überlegen, wo wir am besten die Nacht verbringen. Da kommt ein Mann aus der Kneipe und lädt uns ein herein zu kommen und erstmal auf seine Kosten etwas zu trinken. Ein weiterer Gast telefoniert für uns herum und organisiert uns eine Bleibe für die Nacht in einem Guesthouse. 10 Minuten später kommt der Besitzer des Guesthouse mit seinem Auto um uns den Weg zu zeigen. Puh! Die Fahrt hinter dem Auto her, die dazu noch lange und steil bergauf geht ist nochmal richtig anstrengend und ein wahrer Endspurt des Tages. Die Frau des Hauses erkundigt sich, ob wir verheiratet sind. Erst dann bekommen wir ein Doppelzimmer. Unten vor einem grossen Kamin wird uns dann kräftig und sehr sehr lecker aufgetischt. Dann schleppen wir uns mühsam aufs Zimmer und fallen sofort in einen langen und tiefen Schlaf…

Insgesamt brauchen wir dann drei Tage um die Berge bis zum Kosovo zu bezwingen. Die nächste Nacht verbringen wir in einem „Hotel“. Dieses Hotel verlangt unseren ganzen Adventuremode. An dieser Stelle fehlen auch die Worte, um es adäquat beschreiben zu können. Wir verweissen hier auf das recht bald erscheinende Albanienvideo.


Immer wieder begegnen wir sehr netten, offenen und hilfsbereiten Menschen. Aus einem Auto werden jedem von uns eine Kaki in die Hand gedrückt, woanders hält ein LKW neben uns als wir gerade Pause machen und der Fahrer reicht uns zwei Flaschen Wasser. Ich werde beim Einkaufen von ein paar Bananen vom Verkäufer dazu genötigt mit ihm noch eine Zigarette zu rauchen (er raucht und ascht direkt über den offnen Lebensmitteln – no Prrroblem). Überall wird uns zugewunken, zugehupt und sich erkundigt woher wir kommen. Jedes mal verursacht unsere Herkunft unbegreifliche Freude bei den Menschen. Ich nehme mir fest vor: Wenn ich wieder in Deutschland bin und Albaner treffe möchte ich die gleiche Freude ausdrücken.


Auch die Landschaft hat uns mal wieder schwer beeindruckt – einfach wunderschön! Die Anstrengungen haben sich definitiv gelohnt. Aber jetzt freuen wir uns schon wieder auf unser nächstes Land: Kosovo.

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Tim

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